Leitartikel
Radikaler Schnitt

Welch ein Coup! Der noch viel zu oft unterschätzte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld stellt unter Beweis, dass er ein Spezialist des „Managements by Paukenschlag“ ist. Das Zusammengehen der Kommunikationssparte Com mit dem Netzbereich von Nokia löst eines der drängendsten Siemens-Probleme: die chronische Ertragsschwäche der Ausrüstungen für den Telekommunikationsmarkt.

Gleichzeitig eröffnet das neue Gemeinschaftsunternehmen „Nokia Siemens Networks“ dem umsatzstärksten Geschäftsfeld des größten deutschen Technologiekonzerns Zukunftschancen.

Denn erstens spielt Größe in diesem oligopolistischen Markt eine entscheidende Rolle. Zweitens wird die von Nokia dominierte Führungsmannschaft das neue Unternehmen auf Wachstum und Ertragskraft trimmen. Die äußerst erfolgreichen Gemeinschaftsunternehmen für PCs ( Fujitsu Siemens Computer) und Hausgeräte (Bosch-Siemens-Hausgeräte) machen deutlich, wie segensreich es sein kann, aus dem Konzernverbund herausgelöst zu werden.

Schnelligkeit und Klarheit der Entscheidungen beeindrucken an Kleinfelds Linie. Während Siemens früher Probleme eher ausgesessen als angepackt hat, handelt er entschieden und mitunter radikal. Deutlich wurde das bereits im letzten Jahr, als er kurzerhand die ausblutende Handy-Sparte an BenQ aus Taiwan verschenkte.

Mit dieser Linie setzt Kleinfeld ein Zeichen für deutsche Unternehmen. Seine Entscheidungen fußen auf klaren Renditezielen und nichts anderem. Geschäftsfelder, die dauerhaft nicht die vorgegebenen Gewinne erzielen, stehen zur Disposition. Damit steht Kleinfeld in bester Tradition des wohl erfolgreichsten Managers der letzten Jahrzehnte, Jack Welsh. Dank dessen Methode „Fix it, sell it or close it“ ist General Electric in den Olymp der Konzernwelt aufgestiegen. Bei Siemens hingegen subventionierten viel zu lange gewinnträchtige Geschäftsbereiche die Verlustbringer. Die Folgen für die Ertragslage und den Unternehmenswert waren verheerend.

Natürlich werden sich auch jetzt wieder Kritiker zu Wort melden, die vom Ausverkauf deutscher Hochtechnologie sprechen und den Verlust von Arbeitsplätzen beklagen. Doch diese Argumente ziehen nicht. Denn es ist nicht sinnvoll, zwanghaft an der Herstellung bestimmter Produkte festzuhalten, obwohl man mit ihnen kein Geld verdienen kann. Loslassen zu können ist in der Wirtschaft eine Kernkompetenz, und patriotische Argumente sind in Zeiten weiter zunehmender internationaler Arbeitsteilung Unsinn. Eine Volkswirtschaft steht nicht vor dem Ruin, nur weil sie keinen Handyhersteller mehr hat.

Bleibt die Arbeitsplatzfrage: Erstens werden die Jobs in einem gesunden neuen Unternehmen stets sicherer sein als in einer kränkelnden Konzernsparte. Auch Siemens allein hätte die zur Disposition stehenden Arbeitsplätze über kurz oder lang abbauen müssen. Zweitens kann Siemens künftig stärker in seine boomenden Teile wie Medizintechnik oder Kraftwerke investieren. Hier entstehen dann wettbewerbsfähige Arbeitsplätze mit Zukunft.

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