Leitartikel
Russlands Charme

Nach Moskau, nach Moskau!“ riefen schon die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina im gleichnamigen Drama von Anton Tschechow voll Sehnsucht. Auch ausländische Politiker pilgern immer häufiger nach Moskau. Und die gestrige Stippvisite von US-Präsident George W. Bush macht vor allem eins klar: Das Rennen um Russland ist in vollem Gang.

Denn Bushs Besuch findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem sowohl die USA als auch Europa in Moskau punkten wollen. Geopolitisch hat Kremlherr Wladimir Putin sein Top-Ziel erreicht: Russland ist heute nach dem tiefen Sturz im Verlauf des Zerfalls der Sowjetunion wieder zu einer Weltmacht geworden. Ob Nordkoreas Bombentests, Irans atomare Ambitionen oder die Krise im geschundenen Nahen Osten: Auswege lassen sich meist nur zusammen mit den Russen finden. Wenngleich sie, siehe den Bau des Atommeilers Buscher in Iran, oft auch Teil des Problems sind. Aber ganz ohne den Kreml bewegt sich auf der Weltbühne eben nicht viel.

Washington hat deshalb gerade erst Russlands Wunsch nach einem Beitritt zur Welthandelsorganisation zugestimmt und damit in einer wesentlichen Frage der belasteten bilateralen Beziehungen eingelenkt. Bush rückt von seiner bisher harten Haltung gegenüber Moskau ab, die sein Vize Dick Cheney mit dem Anprangern des „Einsatzes von Energie als Mittel zur Erpressung von Nachbarn“ auf die Spitze trieb.

Die Amerikaner rudern jedenfalls zurück. Zum einen, weil Bush nach den Siegen der Demokraten bei den Wahlen zum Kongress zur „lahmen Ente“ zu werden droht. Andererseits aber, weil Amerika die Russland-Schelte teuer bezahlt hat:

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