Leitartikel
Sarkozy beim Wort nehmen

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy macht seinem Spitznamen „Speedy Sarko“ mal wieder alle Ehre: Quasi im Durchmarsch will er die komplexe Unternehmensführung bei EADS vereinfachen.
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Am 16. Juli will er dazu Bundeskanzlerin Angela Merkel in Toulouse treffen. Deutschland muss es darum gehen, das deutsch-französische Gleichgewicht nicht zu zerstören. Mit der Führungsfrage ist ein weiteres Problem verbunden: Wie können EADS und vor allem die Tochter Airbus ihre milliardenschweren Investitionen bezahlen, vor allem die Entwicklung des neuen Langstreckenjets A350?

Im Prinzip sind sich Deutsche und Franzosen einig, dass die doppelte Doppelspitze (zwei CEOs, zwei Verwaltungsratschefs) nicht sinnvoll ist. Auch die Notwendigkeit einer Kapitalstärkung ist unumstritten. Damit ist aber der Vorrat an Gemeinsamkeiten bereits aufgebraucht. Denn der deutschen Seite scheint Sarkozys Tatendrang nicht so recht geheuer. Die deutsche Zurückhaltung ist verständlich. Gerade in der Industriepolitik hat Sarkozy bisher bewiesen, dass er ohne Rücksicht auf Verluste Frankreichs Interessen durchdrückt. Erinnert sei nur an sein Wirken als Wirtschaftsminister bei Alstom und der Übernahmeschlacht um Aventis.

Dennoch darf bezweifelt werden, dass die Deutschen ihre „Ohne uns“-Haltung bei EADS durchhalten werden. Die Gefahr besteht, dass Merkel und Daimler am 16. Juli als Bremser erscheinen und einlenken. Im Paket-Deal über eine nötige Kapitalstärkung sind indes Kompromisse vorstellbar, bei denen deutsche Interessen gewahrt bleiben. Bei der Doppelspitze wäre das Logischste, einer Nation den CEO und der anderen den Vorsitz des Verwaltungsrates zuzuschlagen. Da der französische EADS-CEO Louis Gallois bereits in Personalunion Airbus-Chef ist und damit de facto 80 Prozent des Geschäfts verantwortet, wäre es nur konsequent, ihm die gesamte Konzernführung anzuvertrauen. Im Gegenzug würden die Deutschen den Verwaltungsrat leiten.

Der Verzicht auf einen deutschen CEO bei EADS sähe wie Schwäche gegenüber dem französischen Powerplay aus. Im Gegenzug könnte aber von den Franzosen Entgegenkommen bei der Kapitalstärkung verlangt werden. Sarkozy will, dass EADS ein normales Unternehmen wird. Nehmen wir ihn also beim Wort, denn normale Unternehmen haben keine Staatsaktionäre. Sprich: EADS streut seine neuen Aktien breit am Kapitalmarkt, alle Altaktionäre, auch der Staat, nehmen hin, dass sich ihre Anteile verwässern.

Als Einwand wird kommen: Damit wären Beteiligungen von chinesischen Staatsfonds oder russischen Banken aus dem Kreml-Dunstkreis Tür und Tor geöffnet. Dies ließe sich durch goldene Aktien verhindern, mit denen Deutschland wie Frankreich ihre legitimen Interessen bei EADS schützen können. Aus marktwirtschaftlicher Sicht sind solche goldenen Aktien allerdings ein Unding, auch wenn sie in der Verteidigungsindustrie verbreitet sind. Besser wäre eine Privatplatzierung bei institutionellen Investoren wie Banken, Versicherern und Fonds. Auch wenn EADS nie ein völlig normales Unternehmen wird: Sarkozys Tatendrang lässt sich nutzen, um es wenigstens ein Stück weit zu normalisieren.

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