Leitartikel: Sorgenkind der Aufseher

Leitartikel
Sorgenkind der Aufseher

Hedge-Fonds gelten vielen Leuten als reines Teufelszeug. Ohne jede Differenzierung packen sie unter dieser Überschrift alles zusammen, was ihnen riskant erscheint.

Dabei ist klar: Die Finanzmärkte brauchen diese Anlagen, weil sie Risiken tragen und für Liquidität sorgen. Klar ist aber auch, dass sie beaufsichtigt werden müssen, um die Gefahr einer globalen Finanzkrise zu mindern. Der deutsche Versuch, hier in der G7 voranzukommen, verdient deshalb Unterstützung. Es sind vor allem fünf Probleme, die Aufsehern und Finanzpolitikern Sorgen bereiten. Das ist erstens die Mär von der unendlichen Erfolgsgeschichte. Jahr für Jahr wächst das Volumen der Hedge-Fonds mit zweistelligen Raten. Mit geschätzten 1,3 Billionen (in Zahlen: 1 300 000 000 000) Dollar Anlagevolumen wird es für die Manager aber immer schwieriger, Risiko und Ertrag in Einklang zu bringen. Wer in den letzten Jahren in Aktien des Deutschen Aktienindexes investierte, fuhr im Durchschnitt besser als mit Hedge-Fonds-Anteilen. Das erhöht den Druck, mehr Risiken einzugehen.

Fragwürdig ist zweitens der beruhigende Hinweis, die klügsten Köpfe tummelten sich in der Hedge-Fonds-Branche. Kein Zweifel, was Rang und Namen hat, hört vielfach den Lockruf des Geldes und wandert in die Branche ab, in der es noch wenig Vorschriften gibt. Doch ist dies keine Erfolgsgarantie: In London starten jährlich etwa 200 bis 250 Hedge-Fonds, von denen mindestens die Hälfte wieder ihr Geschäft einstellt. Ähnlich steht es mit dem Hinweis, in Hedge-Fonds investierten nur Profis, die hohe Verluste tragen können. Denn am Ende der Kette stehen doch die Privatanleger: viele Bürger, die ihr Geld den Pensionsfonds anvertrauen, die wiederum in diese riskante Anlageklasse investieren.

Der vierte Sorgenfaktor sind die Schulden. Nach der weltweiten Liquiditätskrise durch die Pleite des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management im Jahr 1998 hielten sich die Spezialfonds mit der Schuldenaufnahme zurück. Doch das ist Vergangenheit. Top-Investmentbanker sprechen davon, dass die Fonds inzwischen wieder fünfmal mehr Fremd- als Eigenkapital einsetzen, um so die Renditen hochzujagen. Für Unsicherheit sorgt schließlich, dass die Hedge-Fonds nicht zu packen sind: Viele von ihnen sitzen auf den Cayman-, den Virgin- und Bermuda-Inseln und entziehen sich dem Zugriff westlicher Staaten. Selbst in den USA scheiterte eine Registrierung von Hedge-Fonds. Notwendig wären aber weit mehr Informationen über ihre Investitionspolitik, die Risiken und vieles mehr, um auf Dauer die Gefahr einer Finanzkrise zu bannen.

Die westlichen Staaten müssen sich deshalb jenseits aller Eigeninteressen zusammenraufen. Am praktikabelsten scheint, mit Hilfe der Banken ein internationales Kreditregister aufzubauen, auf das alle Notenbanken und Aufsichtsbehörden Zugriff haben. Kein Institut könnte sich diesen Anforderungen entziehen, alle Aufseher stünden in der Pflicht, Aktualität und Validität der Daten über Kontrollen zu gewährleisten. Mehr ist derzeit weder machbar noch sinnvoll.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%