Leitartikel
Verkauft die WestLB!

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Die WestLB ist angezählt, ihr droht der Knock-out. Die einst mächtigste Landesbank hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Niedergang erlebt, an dessen Ende sie jetzt nur noch als Juniorpartner für eine Zwangsehe taugt. Allein das ist schon eine traurige Sensation: Die Ratingagenturen haben die Daumen gesenkt und klar signalisiert, dass die Bank aus eigener Kraft keine Zukunft mehr hat. „Stand alone“ ist keine Option mehr. Damit geht eine Ära zu Ende, die reich war an Affären und arm an Erträgen. Für das Drama am Rhein gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist das „System Neuber“, das Markenzeichen für die Verflechtung von Bank, Politik und Unternehmensbeteiligungen in der Amtszeit von Friedel Neuber von 1981 bis 2001. Die Bank war in den SPD-Regierungszeiten Reparaturbetrieb und Förderinstrument des Landes NRW, gleichzeitig musste sie für eine Beteiligungspolitik herhalten, die ihr strategisch überhaupt keinen Vorteil brachte. Die Jahrzehnte der Verfilzung waren für die Bank eine verlorene Zeit, die sie nie mehr aufholen sollte.

Die zweite Wurzel des heutigen Übels sind die Eigentumsverhältnisse bei der WestLB. Die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe haben bei dem Düsseldorfer Kreditinstitut mit gut 50 Prozent der Anteile das Sagen. Als Vorstandschef Thomas Fischer Anfang 2004 mit vielen guten Ideen an den Start ging, versprach man größtmöglichen Gestaltungsspielraum. In der Realität sah die Sache dann ganz anders aus. Eifersüchtig wachten die öffentlich-rechtlichen Sparkassen darüber, dass die Landesbank keinen Zutritt bekam zum lukrativen Geschäft mit Privatkunden. Auch die Idee einer Direktbank, mit der die Landesbanken in Bayern und Hessen ganz prächtig verdienen, wurde schon im Keim erstickt. Der WestLB fehlen bis heute die Kunden, vor allem im Mittelstand. Ganz abgesehen von den atmosphärischen Störungen zwischen Vorstand und Eigentümern, mehr als einmal schwang sich Ex-Chef Fischer zum weltgewandten Dozenten auf, der die Macher an der Basis mit Anglizismen und Aphorismen intellektuell verunsicherte. So blieben dem Management nur extrem risikoreiche Nischen im Investment-Banking und Kapitalmarktgeschäft. Das führte immer wieder zu Bauchlandungen, man denke nur an die Milliardenpleite beim britischen Fernsehverleiher Boxclever.

Jetzt stehen alle Beteiligten vor dem Scherbenhaufen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der jüngsten Aktienaffäre, die Finanzaufsicht sitzt den Verantwortlichen im Nacken, die Bank ist operativ schwach, und die Folgen der Subprime-Krise sind noch überhaupt nicht kalkulierbar. Trotzdem glaubt die Politik, die via Aufsichtsrat ein gehöriges Maß Mitverantwortung an der Misere trägt, sie könne noch auf Zeit spielen, um den Preis für ihr 38-Prozent-Paket an der WestLB in die Höhe zu schrauben. Tatsache ist aber, dass Finanzminister Helmut Linssen froh sein kann, wenn die stärkere Landesbank Baden-Württemberg einspringt. Einen privaten Investor kann man sich herbeiwünschen, aber er ist derzeit einfach nicht in Sicht. Schon verlassen erste Leistungsträger die Bank. Wenn die Eigentümer noch lange diskutieren, wird am Ende nur noch über eine leere Hülle verhandelt.

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