Libanon
Düstere Erinnerungen

Als „äußerst heikel und sehr zerbrechlich“ skizziert Kofi Annan die aktuelle Lage im Libanon. Dies könnte sogar noch eine optimistische Wertung sein.

Denn die Demonstration Tausender Anhänger der antisyrischen Bewegung anlässlich der Beerdigung des ermordeten Industrieministers Pierre Gemayel zeigt, wie dort die Emotionen hoch kochen. Und zwar umso mehr, als diese schon durch das tödliche Attentat auf Ex-Premier Rafik el Hariri im Februar des vergangenen Jahres aufgeputscht worden waren. Im Zedernland macht – wieder einmal – die Vokabel Bürgerkrieg die Runde.

Eine Prognose, wie ein erneutes Schlachten letztlich enden könnte, darf niemand wagen. Erlaubt sind aber Spekulationen darüber, warum Syrien eine solche Eskalation riskiert. In Damaskus weiß man nur zu genau, dass die USA mit Blick auf die Katastrophe im Irak auf eine konstruktive Rolle der Syrer angewiesen sind. Und auf eine solche hinter – noch – vorgehaltener Hand auch hoffen. Aber dafür muss Washington eben einen Preis bezahlen: dulden, dass Syrien im Libanon wieder eine dominierende Rolle spielt.

Gleichwohl stecken die USA in der Zwickmühle. Eine noch stärkere Rückendeckung aus Syrien könnte die Hisbollah zu neuer Gewalt ermutigen. Und dies würde, das lehrt die Erfahrung, prompt Israel auf den Plan rufen. Das Kriegsszenario vom Sommer ist noch in schlechter Erinnerung.Eine solche Perspektive wäre aber auch eine Schmach für die Staatengemeinschaft. Das Unifil-Truppenkontingent der Uno im Libanon wurde in allererster Linie zur Sicherung des Waffenstillstands verstärkt. Ein Abzug wäre die logische Konsequenz. Und ob sich später erneut ein Land dazu entschließen könnte, Soldaten für eine Friedenstruppe zu mobilisieren, muss bezweifelt werden

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