Libanon
Heiße Mission, kalte Füße

Der Teufel steckt oft im Detail. Dieses Sprichwort gilt zwar überall, im Nahen Osten aber entscheidet das Detail oft über Menschenleben.

Das erklärt, wieso die anfängliche Begeisterung für eine Uno-Schutztruppe im Südlibanon langsam abnimmt. Viele Regierungen strebten sie als notwendige Voraussetzung für einen Waffenstillstand an, bekommen bei ihrer Aufstellung aber kalte Füße.

Dies ist mehr als verständlich. Denn tatsächlich ist in der Uno-Resolution 1702, die die Grundlage für einen Einsatz bildet, vieles ungeklärt. So weiß etwa niemand, wer die Hisbollah entwaffnen soll, falls diese eine freiwillige Waffenabgabe ablehnt. Die libanesische Armee gilt als zu schwach. Und wenn die Uno-Truppe Unifil diese Aufgabe übernähme, würde sie nicht nur in Kämpfe verwickelt, sondern auch umgehend als Partei im Nahostkonflikt angesehen. Nicht ohne Grund waren die Israelis bereit, die Entwaffnung der Hisbollah der von ihnen ansonsten nicht geschätzten Uno zu übertragen: Dies ist weniger ein Vertrauensbeweis als vielmehr das Eingeständnis, die Aufgabe nicht selbst erledigen zu können. Bedenklich stimmt auch die Tatsache, dass vier der fünf ständigen Uno-Sicherheitsratsmitglieder, die die Resolution verabschiedet haben, wenig Anzeichen zu einer Beteiligung zeigen. Niemand will sich die Finger verbrennen.

Kalte Füße prägen auch die deutsche Debatte. Man will dabei sein, sucht aber in alter Tradition nach möglichst ungefährlichen Aufgaben innerhalb riskanter internationaler Militärmissionen. Das ist legitim und sogar im Interesse der eingesetzten Soldaten. Nur ist eines klar: Wenn alle Länder ähnlich handeln, ist über Erfolg oder Scheitern der aufgestockten Unifil-Truppe bereits vor dem Einsatz entschieden.

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