Linkspartei
Oskar ante portas

Die Erfolge der Linkspartei sind nicht auf Sand gebaut. Denn sie verfügt über routinierte Leute und eine solide Organisation. Der Triumphzug des Rächers der enterbten Sozialisten hat begonnen – Oskar Lafontaines Linkspartei rollt den Westen auf.
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Der Triumphzug des Rächers der enterbten Sozialisten hat begonnen – Oskar Lafontaines Linkspartei rollt den Westen auf. Den Sprung in den Bremer Senat im Mai 2007 konnte die politische Konkurrenz noch als Ausnahmeerfolg abtun. Doch jetzt sitzt die Linke auch in den Parlamenten von Niedersachsen und Hessen. Das Fünfparteiensystem, das es im Bund schon gibt, wird auch in den Ländern flächendeckend Realität.

Denn Bremen, Hannover und Wiesbaden werden nicht die letzten Landeshauptstädte sein, die die Linke erobert. Auch in Hamburg dürfte der Bund aus SED-Nachfolgern und enttäuschten Sozialdemokraten im Februar in den Senat einziehen. Selbst in Bayern, wo im Herbst gewählt wird, gab es schon Umfragen, die den Linken zumindest vier Prozent attestierten. Und schon im Jahr der Bundestagswahl, 2009, könnte es in Thüringen wie auch im Saarland sogar so weit kommen, dass die Linke Anspruch auf den Ministerpräsidentenjob erhebt.

Ist die Entwicklung unvermeidlich? Wird die Linke im Westen schneller Teil des Systems als seinerzeit die Grünen? Wir erinnern uns: Die Öko-Spontis brauchten nach ihrer Gründung 1980 fünf Jahre, bis der hessische Sozialdemokrat Holger Börner mit ihnen koalierte. Es ging zwar im ersten Anlauf nur 14 Monate gut. 1991 folgte eine Neuauflage. Weitere sieben Jahre später übernahmen die Grünen mit der SPD die Bundesregierung. Es spricht einiges dafür, dass der Aufstieg der Linken im Westen ähnlich steil verlaufen könnte. Sicher, in Bremen haben sie sich schnell als Dilettanten geoutet. Die Schlagzeilen kreisten um sexuelle Belästigung in der eigenen Truppe, Entlassungen, Arbeitsgerichtsprozesse und Richtungskämpfe. Das erinnert frappierend an andere Splitterparteien, vor allem solche vom rechten Rand: In jenen Fällen erwies sich die Sorge der etablierten Parteien vor unkalkulierbaren Mitspielern samt und sonders als überflüssig, denn die Newcomer demontierten sich bald selbst.

Bei der Linkspartei ist die Hoffnung auf Selbstvernichtung durch Inkompetenz jedoch verfrüht. Denn anders als bei Schill & Co. steht hinter den auch in Hessen und Niedersachsen fürs Erste wenig professionell agierenden Neulingen eine mächtige Organisation: Die ehemaligen PDSler wurden häufig totgesagt, doch seit anderthalb Jahrzehnten sind sie Teil des Systems im Osten, wo sie mehrfach jahrelang mitregierten. Und viele West-Sozialisten bringen Erfahrung aus den Apparaten und Landesregierungen der SPD und aus den Gewerkschaften mit.

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