Linksradikale in Griechenland

Die Neuwahl bringt alte Sorgen zurück

In Griechenland stehen Neuwahlen an – und die Unsicherheit kehrt zurück. Investoren werden abwarten, Anleger könnten Gelder abziehen. Es droht ein Sieg des radikal-linken Bündnisses Syriza, das mit kruden Ideen wirbt.
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Griechenland vor Neuwahlen

AthenStavros Dimas hat es nicht ins griechische Präsidentenamt geschafft. Auch im dritten Anlauf verfehlte der 73-jährige frühere EU-Kommissar die erforderliche Mehrheit. 180 Stimmen hätte er benötigt, um zum neuen Staatsoberhaupt gewählt zu werden – 168 bekam er.

Nach der gescheiterten Präsidentenkür steht Griechenland vor Neuwahlen. Spätestens Anfang Februar müssen die Griechen ein neues Parlament wählen. Der Urnengang könnte zu einer folgenschweren Weichenstellung für das Land werden – wenn nämlich in Athen das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) an die Macht kommt. Syriza-Chef Alexis Tsipras will den Sparkurs beenden, die Reformpolitik zurückdrehen und den größten Teil der Staatsschulden streichen.

Griechenland schien aus dem Gröbsten heraus zu sein. Die Haushaltskonsolidierung trägt Früchte. Die Reformen haben das Land wettbewerbsfähiger gemacht. Nach sechs Jahren Rezession wächst die Wirtschaft wieder. Aber nun steht alles wieder auf dem Spiel. Dem Land droht ein Rückfall in die Krise, mit möglicherweise schlimmeren Folgen als beim ersten Mal.

Die nächsten Wochen werden von Verunsicherung geprägt sein. Investoren werden abwarten, wohin das Land steuert. Anleger könnten Gelder abziehen. Es wäre kein Wunder, wenn selbst griechische Sparer nun ihre Konten plündern, um die Euro-Ersparnisse erst einmal in Sicherheit zu bringen, und sei es unter der Matratze. Für die griechische Wirtschaft ist der bevorstehende Wahlkampf Gift. Das spüren die griechischen Hoteliers bereits: Wegen der politischen Ungewissheit sind die Buchungen für das kommende Jahr in den vergangenen Wochen stark eingebrochen.

Was nach den Wahlen kommt, könnte allerdings noch schlimmer werden. Die Meinungsumfragen lassen einen Wahlsieg des radikal-linken Bündnisses Syriza erwarten. Syriza ist eigentlich gar keine Partei, sondern ein Sammelbecken von rund einem Dutzend Gruppierungen. Das Spektrum reicht von Linkssozialisten über Trotzkisten, Marxisten, Maoisten und Altkommunisten bis hin zu Extremisten, die Gewalt als ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung betrachten. Der linksextremistische Syriza-Flügel, der etwa ein Drittel des Bündnisses repräsentiert, propagiert offen den Abschied vom Euro sowie den Austritt Griechenlands aus EU und Nato.

Und was sagt Syriza-Chef Alexis Tsipras? Je näher der Wahltermin rückt, desto verschwommener werden die Auskünfte über seine politischen Pläne. Mal will Tsipras die Kreditverträge mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) „zerreißen“, dann spricht er von „Verhandlungen“. Zugleich kündigt der Syriza-Fraktionschef einen einseitigen Schuldenschnitt an, was eine Insolvenz des griechischen Staates bedeuten würde.

Wähler bekommen kalte Füße
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12 Kommentare zu "Linksradikale in Griechenland : Die Neuwahl bringt alte Sorgen zurück"

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  • Nun wird genau das passieren was unsere korrupten Politiker 5 Jahre verschleppt haben
    und uns jetzt das dreifach kostet.

    A Erpressung der EU
    1. Schuldenschnitt von 75% mit realem (unserem)Geld
    2. Austritt aus dem Euro (wo sie nie hingehören)
    3. Einführung der neuen Drachme
    (der schon vor 2 Jahren gedruckt wurde!)

    ------------
    siehe div Beiträge von Prof Sinn vor 5 Jahren

  • Als Erstes möchte ich gerne lesen was denn ein Austritt Griechenlands uns in Deutschland und der gesamten Eurozone kosten würde.

  • Man sollte festhalten, dass Deutschland bisher keinen Euro in irgendein EU-Land geschickt hat um irgendjemand zu retten!
    Bisher haben wir hier alle profitiert von den niedrigen Zinsen der letzte Jahre. Ein paar Mrd Zinseinsparungen über Bundesanleihen; auch nicht schlecht!

    Wenn ich die Wortwahl hier z.T. lese wirds mir schlecht.

  • Syriza will das Griechenland aus dem Euro austritt ?

    Das ist doch eine gute Nachricht.

    Verstehe gar nicht warum alle daraus eine Katastrophe machen wollen.

  • Die Finanzkrise (Euroschuldenkrise) war nie weg. Schon so was wie die unbedeutende Wahl eines Präsidenten in Griechenland zeigt dies schonungslos auf. Hoffentlich sind bis zu den nächsten "Hilfsaktionen" so viel Bürger aufgewacht, dass die Blockpartien das nicht mehr im Hauruckverfahren durch den Bundestag peitschen können.

  • Frage an IM "Erika", auch bekannt als "das MURKSEL":

    Wo bleibt unsere Kohle, die wir den nixnutzigen Lumpen aller Länder zugeschoben haben, um deren Prasserei zu finanzieren?

  • Länder wie Griechenland, Portugal etc haben in dem Euro nichts zu suchen. Es ist sogar fraglich ob diese Länder in der EU sein sollten. Der einzige Grund warum diese Länder in der EU sind, ist dass vor einigen Jahrzehnten Länder (Wirtschaften) wie Deutschland diese Länder als Billiglohnländer ausnutzen wollten und die reduzierte Bürokratie des Warenaustausches innerhalb der EU nutzen wollten. Diesen Fehler müssen die restlichen EU Länder heute teuer zahlen.

  • US Botschafterin Merkel muss weg! Egal wie.
    Sie hat die Deutschen an ClubMed verkauft. Dafür wird sie büßen müssen!

  • "Dem Land droht ein Rückfall in die Krise,"

    Falsch!Die Krise war nie vorbei. Sie wurde nur mit immer neuen, immer höheren Schulden verlängert.

  • Hoffentlich kommen die Linken an die Macht. Dann ist der € für die "Fleißigen" Geschichte.
    Ihre Drachme können sie dann hoch u. runter jubeln ... bis zum finalen Exodus.
    Allerdings ist das Steuergeld der 16 Millionen deutschen Niedriglöhner verloren ... dank US Botschafterin Merkel.

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