Lipobay-Prozess
Kommentar: Aufatmen bei Bayer

Bayer-Chef Werner Wenning und mit ihm die Aktionäre und Mitarbeiter des Leverkusener Konzerns können erst einmal aufatmen. Der Freispruch in Texas nimmt ihnen eine schwere Bürde von der Schulter.

Die Prozess-Risiken aus der Lipobay-Affäre sind damit aber noch keineswegs völlig überwunden. Denn amerikanische Anwälte werden ihre Chance wohl in weiteren Verfahren suchen. Und die lange Beratungszeit der Jury in Corpus Christi spricht dafür, dass das Urteil nicht ganz leicht gefallen ist.

Allerdings hat Bayer einen äußerst wichtigen Etappensieg errungen. Denn das Verfahren in Texas war ein Musterfall, den die Klägerseite mit Bedacht ausgewählt hatte. Es wurde von einem der bekanntesten und aggressivsten Anwälte geführt und fand in einem Bundesstaat statt, der als besonders klägerfreundlich gilt. Vor einigen Jahren hatte ein Urteil in Texas für den US-Konzern Wyeth eine Serie von Niederlagen eingeleitet, die ihn am Ende mehr als zehn Milliarden Dollar kostete.

Dass Bayer nun trotz schwieriger Randbedingungen auf ganzer Linie erfolgreich blieb, spricht für die Rechtsposition der Leverkusener. Sie ist offenbar besser, als es manche Dokumente und Zeugenaussagen zunächst erscheinen ließen.

Für den Konzern und seine Aktionäre sind das Risiko im Zusammenhang mit den Lipobay-Klagen und wohl auch der daraus resultierende Aufwand wieder kalkulierbar geworden. Mit der Entscheidung in Corpus Christi wachsen nicht nur die Chancen, die gefürchteten Sammelklagen abzuwenden. Es dürfte künftig auch wesentlich leichter fallen, Ansprüche auf Schadensersatz außerhalb des Gerichts zu befriedigen. Die Gefahr einer zusätzlichen Welle von Klagen, die ein negatives Urteil sicherlich ausgelöst hätte, erscheint zumindest fürs Erste gebannt. Und auch die Schadensersatzklage, die amerikanische Bayer-Aktionäre angestrengt haben, steht mit diesem Urteil wohl auf einem eher schwachen Fundament.

Das alles bedeutet natürlich noch nicht, dass der Himmel über Leverkusen wieder blau ist. Denn Lipobay ist beileibe nicht das einzige Sorgenkind von Bayer. Der Konzern muss seine Agrosparte auf Kurs bringen und kämpft nach wie vor mit erheblichen operativen Schwächen, im Chemiegeschäft wie auch in seiner Pharmasparte.

Aber zumindest haben Wenning und seine Vorstandskollegen nun erst einmal den Rücken frei, sich diesen Aufgaben mit voller Kraft zu widmen. Und vor allem: Sie müssen nicht mehr fürchten, dass die Erfolge bei Konzernumbau und Kostensenkung am Ende von dem Lipobay-Debakel komplett aufgefressen werden.

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