Lloyds
Sprung aus dem Schutzschirm

Lloyds versucht, mit einer rekordverdächtigen Kapitalerhöhung dem Staatseinfluss zu entgehen. Denn unter dem leidet künftig die Attraktivität der Bank.
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Die britische Großbank Lloyds würde sich gern auf Rekordjagd begeben, um die Dominanz des Staates abzuwehren. Sie braucht dafür frisches Geld, genauer gesagt die Kleinigkeit von 25 Mrd. Pfund, von denen allein 15 Mrd. durch eine Kapitalerhöhung zusammenkommen sollen - ein Rekordwert. Fast schon verzweifelt versucht Vorstandschef Eric Daniels zu verhindern, dass der Staat noch mehr Einfluss auf sein noch immer schwer angeschlagenes Institut bekommt.

Die Bank hat im ersten Halbjahr 2009 einen weiteren Verlust eingefahren, mehr als drei Mrd. Pfund, und sie gehört bereits zu mehr als 40 Prozent dem Staat. Noch ist völlig offen, ob Daniels? ehrgeizige Pläne aufgehen werden und ob der Glaube der Aktionäre an eine Wiederauferstehung der Banken bereits so stark ist, dass sie Lloyds die Rekordsumme wirklich in die Hand drücken. Aber die Energie, manche würden wohl auch sagen die Sturheit, mit der der Lloyds-Chef sein Vorhaben vorantreibt, zeigt, wie viel für die Bank auf dem Spiel steht.

Nach dem zumindest vorläufigen Ende der Finanzkrise werden die Marktanteile in der Geldbranche neu verteilt, und wer diese Gelegenheit verpasst, dem wird es schwerfallen, einmal verlorenen Boden später wieder gutzumachen. Investoren und Institutionen werden sich nach dem Schock der vergangenen Monate ganz genau überlegen, mit wem sie in Zukunft ihre Geschäfte machen. Dabei wird es nicht nur auf Preis und Performance ankommen. In der hoffentlich bevorstehenden Post-Krisenära werden Parameter wie Stabilität und Transparenz, aber auch Marktmacht und Dynamik der einzelnen Institute an Bedeutung gewinnen.

Banken, die noch immer als angeschlagen gelten und die deshalb noch immer unter der Fuchtel des Staates stehen, werden es in diesem Umfeld schwer haben. Bei der Neuverteilung der Marktanteile drohen sie auf die Verliererstraße zu geraten. Das weiß Daniels, und deshalb versucht er, so schnell wie möglich aus dem Einflussbereich der Regierung auszubrechen, um mit jenen Konkurrenten mithalten zu können, die glimpflicher durch die Krise gekommen sind und die sich jetzt schon wieder voll auf den Kampf um Kunden und Märkte konzentrieren können.

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