Luft- und Raumfahrtkonzern
Kommentar: EADS im Sturm

  • 0

Das war kein guter Tag für EADS und die europäische Luft- und Raumfahrt. Bedenkt man die Gründe, die zu dem ersten satten Unternehmensverlust seit fünf Jahren führten, so bleibt der Eindruck haften, dass sich Europas Prestigeunternehmen übernommen hat. Da sind zunächst die internen Schwierigkeiten, die Lieferprobleme beim Riesen-Airbus A380, die Verzögerungen beim Tanker A400M und dann auch noch das Planungsdesaster beim A350. Die durch die noch immer hochkomplizierte Unternehmensführung mitverursachten Programmprobleme haben nicht nur die Unternehmensführung durcheinandergeschüttelt, sondern auch zu den katastrophalen Ergebnissen entscheidend beigetragen. Dass EADS die Veränderung in der Führungsstruktur gewagt hat, ist ein Zeichen der Hoffnung, sicher ist aber auch, dass die deutsch-französische Rivalität noch immer eine der größten Schwierigkeiten für die Unternehmensführung darstellt. Hinzu kommen Schwierigkeiten, die nicht hausgemacht sind: Das Verschlankungsprogramm hakt, denn die Finanzkrise erschwert auch den Verkauf eigener Werke. Der Kurs des Dollar, der nur bis 1,45 Dollar je Euro abgesichert ist, er verfällt beinahe ungebremst. Mit jedem Cent, den die US-Währung gegenüber dem Euro verliert, werden die Sorgen also größer. Zu allem Überfluss trudelte in der Nacht zu Dienstag auch noch die Beschwerde des Rivalen Boeing gegen die Vergabe des Tankerauftrags an Airbus in den USA ein. Damit stehen die Zeichen auf Sturm. So verpuffte der Versuch der EADS-Führung um Louis Gallois, positive Signale für 2008 setzen, fast ohne Wirkung. Die Anleger interpretierten das als Stimmungsmache, sie flüchteten regelrecht aus der Aktie. Das Papier, das seit Jahresanfang gut 20 Prozent verloren hat, büßte am Dienstag weitere sieben Prozent ein, auch viele Analysten wendeten sich enttäuscht von EADS ab. Fast in Vergessenheit geriet dabei, dass der Konzern auch höchst lukratives Geschäft zu bieten hat, etwa die Helikopter und Satelliten-Sparte. Dass CEO Gallois davon sprach, er sehe großes Potenzial für die Zukunft, klang zumindest am Dienstag, als wolle sich hier einer selbst Mut machen für die schwierigen Wochen, die zweifellos vor ihm liegen.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter

Kommentare zu " Luft- und Raumfahrtkonzern: Kommentar: EADS im Sturm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%