Luftfahrt
Freiheit für Heathrow

Politiker lieben die große weite Welt der Luftfahrt. Es ist eine innige, vermutlich sogar eine ewige Liebe: Wie sonst ist zu erklären, dass ausgerechnet in der globalsten aller Industrien noch immer der Staat entscheidet und nicht der Kunde? Dieser muss höchstens Steuern zahlen und hält damit unfreiwillig kranke Systeme am Leben. Auf diese Weise füttern Italiener ihre konkursreife Alitalia, die Griechen sparen für ihren chronischen Verlustbringer Olympic, und Österreich klebt an einer Fluglinie namens Aua – selbst wenn es noch so wehtut.

Auf derlei Sündenfälle verweisen selbst die größten Protektionisten, die in Sachen Luftfahrt zweifellos auf der anderen Seite des Atlantiks sitzen. Die US-Regierung hält weiter die schützende Hand über ihre Flugindustrie, die nach Milliardenverlusten ausgelaugt ist und im Wettbewerb mit Europas Marktführern so alt aussähe wie die meisten ihrer Jets. Das Open-Skies-Abkommen, dem gestern 27 EU-Länder zustimmten, hat seinen Namen nicht verdient. Der versprochene offene Himmel ist weitgehend auf den Flughafen London-Heathrow begrenzt, der US-Fluglinien ab März 2008 freien Eintritt gewährt. Von den Forderungen der Europäer, im Gegenzug die faktische Investitionssperre in den USA aufzuheben, ist nicht viel übrig geblieben. Sie dürfen zwar 100 Prozent des Kapitals an einer US-Fluglinie halten, aber ihre Stimmrechte bleiben auf 24,9 Prozent limitiert. Dennoch: besser ein kleiner Schritt als keiner. Das Open-Skies-Abkommen wird den Wettbewerb in der EU beleben und in seiner Folge zu besserem Kundenservice sowie gesünderen Industrie-Strukturen führen. Europas Luftfahrt ist dann mehr denn je gerüstet für den Tag, an dem sich tatsächlich der Himmel öffnet. Auch der über Nordamerika.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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