Luftfahrt
Kommentar: Neue Jäger

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Die Ära, in der sich jeder europäische Staat eine internationale Fluggesellschaft leistete und sie mit Subventionen und Regeln vor der natürlichen Marktauslese bewahrte, sind endgültig vorbei. Der laufende Verkauf von Iberia und Alitalia zeigt, dass am Ende nur wenige große europäische Fluggesellschaften übrig bleiben werden. Das Luftfahrtabkommen zwischen der EU und den USA hat frische Zugluft auf den europäischen Markt gebracht.

Doch das heißt nicht, dass die traditionellen Linienflieger wie Lufthansa, British Airways und Air France jetzt einfach die Konkurrenten links und rechts einsammeln können. Ihre Finanzkraft und Abenteuerlust haben Grenzen, wie die Zurückhaltung im Kampf um Iberia und Alitalia zeigt. Außerdem machen ihnen neue Jäger die Beute streitig.

Der Griff des führenden Billigfliegers Ryanair nach der irischen Aer Lingus dürfte wohl ein Einzelfall bleiben. Das Interesse der Finanzinvestoren jedoch ist eine dauerhafte Erscheinung – zumindest solange die Rahmenbedingungen für Private Equity günstig bleiben. Und dann könnten auch noch US-Fluggesellschaften an europäischen Beteiligungen interessiert sein.

British Airways tut vor diesem Hintergrund gut daran, im Kampf um den langjährigen Allianzpartner Iberia eine Kopiloten-Rolle einzunehmen. Hat das Angebot des Konsortiums, dem BA beigetreten ist, Erfolg, dann können die Briten den Finanzinvestoren die Sanierungsarbeit überlassen und währenddessen wie gewohnt mit Iberia kooperieren. Wenn TPG und Co. nach ein paar Jahren Geld sehen wollen – und BA gut bei Kasse ist –, können die Briten die Finanzinvestoren herauskaufen. Dann bietet sich womöglich für die Lufthansa eine Chance. Jetzt ist sie zum Abwarten verdammt.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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