Luftfahrt
Wildern in Wien

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Eigentlich ist der Zustand aus deutscher Sicht prachtvoll: Die Lufthansa trinkt Tee und wartet ab, wie sich die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) von Tag zu Tag selber schwächt. Kaufen muss sie sie nicht.

Über die Star Alliance erzielt sie bereits drei Viertel aller möglichen Synergien. Das Miles-&- More-Programm lässt sich schon jetzt kombinieren. In der Technik und Wartung besteht ein gut funktionierendes Joint Venture. Und für vielleicht 100 Millionen Euro AUA-Gewinn, für die es in Wien schon stehende Ovationen geben würde, hat man in Frankfurt vermutlich nicht einmal einen warmen Händedruck übrig. Im Gegenteil: Wenn keine Aussicht auf bessere Rendite besteht, drückt so etwas nur den eigenen Aktienkurs.

Vor einem Jahr wäre das vielleicht noch anders gewesen. Da hatte die AUA scheinbar wieder Aufwind unter die Flügel bekommen und war den roten Zahlen entflogen. Die Airline stockte ihr Kapital um satte 367 Millionen Euro auf, sie verkaufte Flugzeuge, reduzierte die Langstreckenziele und verkündete Ende September 2007 tatsächlich wieder schwarze Zahlen.

Doch vorbei die hoffnungsvolle Zeit. Inzwischen hat die ganze Branche die Reiseflughöhe wieder verlassen. Und diejenigen, die nicht hoch aufgestiegen waren, fliegen nun umso tiefer. Die Österreicher gehören dazu.

Der einzige Grund für die Lufthansa, sich nun noch für den Nachbarn zu interessieren, liegt darin, unliebsame Konkurrenz vor der eigenen Haustür zu verhindern. Wenn ein finanzkräftiger Konkurrent wie Emirates über eine Übernahme in Wien im Streckennetz der Lufthansa wildern könnte, dürfte den Frankfurtern das nicht egal sein. So besehen, ist ihre Schwäche der letzte Trumpf, den die Österreicher noch ausspielen können, um sich nicht zu billig zu verkaufen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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