Luftfahrtbranche
Arroganz über den Wolken

Es ist eine Last für die Steuerzahler: Die meisten Luftfahrtmanager sträuben sich gegen die Einsicht, dass weltweit zu viele Fluggesellschaften mit viel zu vielen Flugzeugen unterwegs sind. Kein anderer Industriezweig verbrennt seit Jahren derart viel Geld, darunter hohe öffentliche Subventionen.

Es ist eine Last für die Steuerzahler: Die meisten Luftfahrtmanager sträuben sich gegen die Einsicht, dass weltweit zu viele Fluggesellschaften mit viel zu vielen Flugzeugen unterwegs sind. Kein anderer Industriezweig verbrennt seit Jahren derart viel Geld, darunter hohe öffentliche Subventionen.

Die staatlich gesponserte Swiss illustriert die Malaise: Vor gerade mal 18 Monaten mit starken Sprüchen gestartet, hat der Swissair-Nachfolger bis heute einen Verlust von rund 1,5 Milliarden Schweizer Franken eingeflogen. Dabei hatten viele Branchenexperten bereits vor dem Neustart gewarnt, Flotte und Personal seien, gemessen am kleinen Schweizer Heimatmarkt, heillos überdimensioniert.

Der zarte Beginn einer Konsolidierung der Branche soll nun ausgerechnet von dem Land ausgehen, das nach wie vor hartnäckig auf seine eigene Identität samt nationaler Fluglinie pocht. Die Schweizer weigern sich, ihre teure Langstreckenflotte drastisch zu reduzieren und den Marktgegebenheiten anzupassen. Die Swiss- Führung blieb gestern überzeugende Antworten darauf schuldig, wie sie die Ertragswende schaffen und die offenbar dringend benötigte Liquidität erhalten will. All das lässt nur den Schluss zu: Teile der Branche neigen noch immer zur Selbstüberschätzung.

Dass sich die Swiss für die Partnerschaft mit British Airways und gegen eine faktische Übernahme durch die Lufthansa entschieden hat, macht diese nur auf den ersten Blick zum Verlierer. Zwar sitzt dem Kranich in der Nachbarschaft seines Münchener Flughafen-Drehkreuzes nun eine von British Airways unterstützte Swiss vor der Nase, die sich weiter scharf gegen Lufthansa positionieren wird. Doch zumindest ein Teil des Lufthansa-Vorstands kann mit diesem Ärger besser leben als mit dem Risiko, das man bei einer Swiss-Übernahme eingegangen wäre: hohe Sanierungsaufwendungen, rebellierende Piloten, Bindung enormer Management-Kapazitäten in der Schweiz. Die größeren Chancen, aber auch die größeren Unwägbarkeiten liegen fortan bei den Briten. Sie werden auf dem Kontinent erst zeigen müssen, dass sie aus dem Patienten Swiss mehr machen können als eine weitere Deutsche BA, die jahrelang hohe Verluste einflog und schließlich für einen symbolischen Euro verscherbelt wurde.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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