Lufthansa-Streik
Unsolidarisch

Die Interessen einzelner Gruppen gefährden den Konzernerfolg der Lufthansa. Ob Piloten, Techniker oder jetzt Flugbegleiter – sie alle sind sich selbst am nächsten. Der Streik wird so zum Bumerang.
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DüsseldorfDie freundliche Stewardess, die mich im Flugzeug begrüßt, die das Gepäckfach schließt, die mich ans Anschnallen erinnert und mir den Kaffee serviert – diese Dame soll womöglich mit verbissenem Gesicht und einem Plakat in der Hand an der Gangway stehen und mehr Geld fordern? Klingt unglaublich, ist aber wahrscheinlich.

Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Streik, seit auch die jüngste Runde der Verhandlungen mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter gescheitert ist. Doch dieser Streik kommt zur Unzeit. Er unterstützt die Interessen eines Bereichs, aber er gefährdet das Unternehmen als Ganzes.

Der Konzern steckt in einer Krise. Hohe Benzinpreise, scharfe Konkurrenz, eine nachlassende Konjunktur aber auch eine unveränderte hervorragende Bezahlung der Mitarbeiter machen der Fluglinie zu schaffen, die seit dem Start des ersten Billigfliegers vor 20 Jahren sowieso kein Renditewunder mehr ist. Die Folge: Sie fliegt in den roten Zahlen.

Die Passagiere baden es aus mit weniger Komfort. Einige Angestellten tragen ihren Teil zum Sparen bei, wenn in der Verwaltung wie geplant 3500 Stellen wegfallen. Unterm Strich will Konzernchef Christoph Franz so 1,5 Milliarden Euro sparen. Die fetten Jahre bei der Lufthansa sind damit endgültig Vergangenheit.

Wenn jetzt das Kabinenpersonal streikt, ist das gegenüber all denen, die Opfer bringen müssen, unsolidarisch. Der Corpsgeist, der dieses Unternehmen einst auszeichnete, ist Abteilungs-Egoismen gewichen. Mal sind es die Piloten, mal die Techniker, mal eben die Flugbegleiter, die ihre Interessen ganz nach vorne stellen.

Wo kein Geld zum Verteilen da ist, sucht der Konzern nach Alternativen: Sie heißen zum Beispiel Leiharbeit. Oder Ausgliederung des Personals in Tochterfirmen, die mit billigeren Verträgen arbeiten. Alles Maßnahmen jedenfalls, die das Lächeln der Stewardess endgültig gefrieren lassen. Dies kann auch ein Streik nicht abwenden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Lufthansa-Streik: Unsolidarisch"

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  • DIE SAFTSCHIEBER DES KRANICHS! Weil sie mehr Geld wollen und auf ewige Zeiten einen gesicherten Arbeitsplatz zu
    immer besseren Konditionen, müssen sehr viele Fluggäste auf ihren langersehnten Urlaub oder einen Geschäftstermin verzichten - Hotels, Schiffsreisen und Rundreisen bezahlen, von denen sie nichts haben werden, weil sie nicht am Zielort ankommen. Bei den wirtschaftlichen Veränderungen hat doch heute keiner mehr einen sicheren Arbeitsplatz mit Aussicht auf steigendes Gehalt. Streik ist legitim. Aber in Branchen, wo derart viele Unschuldige darunter zu leiden haben, fehlt mir jegliches Verständnis.
    UFO und Lufthansa sollten endlich an ihre Kunden denken, anstatt sich gegenseitig zu beschuldigen! Ein vielfacher
    Millionenschaden und das Abwandern der Fluggäste zu anderen Fluggesellschaften kann auch nicht im Interesse der Saftschieber sein.

  • Meine Güte! Ich finde es ja toll, dass sich so offen für die Flugbegleiter eingesetzt wird, sie haben es sich verdient, dafür zu kämpfen. Nur bitte vergesst nicht, dass es in der Wirtschaft derzeit ÜBERALL bergab geht, und wir alle darunter zu leiden haben. wir haben keine automatische Lohnerhöhunh, Betriebsrente etc, dafür müssen wir selbst sorgen, daher ist das Jammern auf hohem Niveau!!! Natürlich habt ihr viel Stress und Jetlag, etc...Aber erwähnt doch bitte auch die positiven Seiten, wie 4 Tage Off, bis hin zu 10.Ich finde es super, dass ihr für eure Rechte kämpft, nur tut es bitte auch fair und nicht so aggressiv, mit der BErücksichtigung, wie eben schon erwähnt, dass fast überall der Gürtel enger geschnallt werden muss, und das leider auch bei den eh schon Unterbezahlten (Friseur, Gastronom...). Den Vorstand würde ich auch aussen vor lassen, das war und wird auch immer so bleiben, dass sich einige die TAschen voll machen...

  • Herr stock, nach 4 tagen unter Beschuß könnten sie mal ein vernünftigen Artikel über die Flugbegleiter der DLH schreiben, finden Sie nicht? Und vielleicht haben Sie auch mal recherchiert wofür gestreikt wird. Ich gebe ein Hinweiß: Es geht nicht nur um Geld.

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