Lufthansa-Streik

Unsolidarisch

Die Interessen einzelner Gruppen gefährden den Konzernerfolg der Lufthansa. Ob Piloten, Techniker oder jetzt Flugbegleiter – sie alle sind sich selbst am nächsten. Der Streik wird so zum Bumerang.
57 Kommentare
Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

DüsseldorfDie freundliche Stewardess, die mich im Flugzeug begrüßt, die das Gepäckfach schließt, die mich ans Anschnallen erinnert und mir den Kaffee serviert – diese Dame soll womöglich mit verbissenem Gesicht und einem Plakat in der Hand an der Gangway stehen und mehr Geld fordern? Klingt unglaublich, ist aber wahrscheinlich.

Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Streik, seit auch die jüngste Runde der Verhandlungen mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter gescheitert ist. Doch dieser Streik kommt zur Unzeit. Er unterstützt die Interessen eines Bereichs, aber er gefährdet das Unternehmen als Ganzes.

Der Konzern steckt in einer Krise. Hohe Benzinpreise, scharfe Konkurrenz, eine nachlassende Konjunktur aber auch eine unveränderte hervorragende Bezahlung der Mitarbeiter machen der Fluglinie zu schaffen, die seit dem Start des ersten Billigfliegers vor 20 Jahren sowieso kein Renditewunder mehr ist. Die Folge: Sie fliegt in den roten Zahlen.

Die Passagiere baden es aus mit weniger Komfort. Einige Angestellten tragen ihren Teil zum Sparen bei, wenn in der Verwaltung wie geplant 3500 Stellen wegfallen. Unterm Strich will Konzernchef Christoph Franz so 1,5 Milliarden Euro sparen. Die fetten Jahre bei der Lufthansa sind damit endgültig Vergangenheit.

Wenn jetzt das Kabinenpersonal streikt, ist das gegenüber all denen, die Opfer bringen müssen, unsolidarisch. Der Corpsgeist, der dieses Unternehmen einst auszeichnete, ist Abteilungs-Egoismen gewichen. Mal sind es die Piloten, mal die Techniker, mal eben die Flugbegleiter, die ihre Interessen ganz nach vorne stellen.

Wo kein Geld zum Verteilen da ist, sucht der Konzern nach Alternativen: Sie heißen zum Beispiel Leiharbeit. Oder Ausgliederung des Personals in Tochterfirmen, die mit billigeren Verträgen arbeiten. Alles Maßnahmen jedenfalls, die das Lächeln der Stewardess endgültig gefrieren lassen. Dies kann auch ein Streik nicht abwenden.

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57 Kommentare zu "Lufthansa-Streik: Unsolidarisch"

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  • DIE SAFTSCHIEBER DES KRANICHS! Weil sie mehr Geld wollen und auf ewige Zeiten einen gesicherten Arbeitsplatz zu
    immer besseren Konditionen, müssen sehr viele Fluggäste auf ihren langersehnten Urlaub oder einen Geschäftstermin verzichten - Hotels, Schiffsreisen und Rundreisen bezahlen, von denen sie nichts haben werden, weil sie nicht am Zielort ankommen. Bei den wirtschaftlichen Veränderungen hat doch heute keiner mehr einen sicheren Arbeitsplatz mit Aussicht auf steigendes Gehalt. Streik ist legitim. Aber in Branchen, wo derart viele Unschuldige darunter zu leiden haben, fehlt mir jegliches Verständnis.
    UFO und Lufthansa sollten endlich an ihre Kunden denken, anstatt sich gegenseitig zu beschuldigen! Ein vielfacher
    Millionenschaden und das Abwandern der Fluggäste zu anderen Fluggesellschaften kann auch nicht im Interesse der Saftschieber sein.

  • Meine Güte! Ich finde es ja toll, dass sich so offen für die Flugbegleiter eingesetzt wird, sie haben es sich verdient, dafür zu kämpfen. Nur bitte vergesst nicht, dass es in der Wirtschaft derzeit ÜBERALL bergab geht, und wir alle darunter zu leiden haben. wir haben keine automatische Lohnerhöhunh, Betriebsrente etc, dafür müssen wir selbst sorgen, daher ist das Jammern auf hohem Niveau!!! Natürlich habt ihr viel Stress und Jetlag, etc...Aber erwähnt doch bitte auch die positiven Seiten, wie 4 Tage Off, bis hin zu 10.Ich finde es super, dass ihr für eure Rechte kämpft, nur tut es bitte auch fair und nicht so aggressiv, mit der BErücksichtigung, wie eben schon erwähnt, dass fast überall der Gürtel enger geschnallt werden muss, und das leider auch bei den eh schon Unterbezahlten (Friseur, Gastronom...). Den Vorstand würde ich auch aussen vor lassen, das war und wird auch immer so bleiben, dass sich einige die TAschen voll machen...

  • Herr stock, nach 4 tagen unter Beschuß könnten sie mal ein vernünftigen Artikel über die Flugbegleiter der DLH schreiben, finden Sie nicht? Und vielleicht haben Sie auch mal recherchiert wofür gestreikt wird. Ich gebe ein Hinweiß: Es geht nicht nur um Geld.

  • Ich würde mich als MA der Firmen Wisag oder APS-Fraport schon für die Hälfte netto des Stammpersonals der LH FRA sehr freuen.

    Insider wissen Bescheid, Realitätsverweigerer tappen nach wie vor im Dunkeln.

    Olaf Janowski, Frankfurt

  • Der Fisch stinkt vom Kopf, so ein altes Sprichwort. Es ist der Vorstand und der Aufsichtsrat der Lufthansa, der es seit Jahren vormacht. Egoismus und Gehaltssteigerungen fernab der Realität sind inzwischen die übliche Praxis bei Vorstand und Aufsichtsrat, der vor allem seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt. Und wenn die Mitarbeiter sich nicht widerspruchslos auspressen lassen wie Zitronen, dann wird Leiharbeit eingesetzt. Dabei wurde die Möglichkeit der Leiharbeit geschaffen, damit Unternehmen Auftragsspitzen abfangen können. Bei der LH wird sie dagegen für die egoistischen und unsolidarischen Interessen der Unternehmensführung eingesetzt. Es wird Zeit, das der Gesetzgeber tätig wird und die Autonomie der Tarifparteien stärkt. Damit stärkt er auch den Zusammenhalt und die Solidarität der Mitarbeiter und damit langfristig den Erfolg der Unternehmen.

  • Sehr geehrter Herr Stock, von einem Chefredakteur sollte man eigentlich bessere Arbit erwarten. Schauen wir uns doch mal das Konzernergebniss 2011 an. Operative Passage Airlines ein 3stelliger Millionen-Betrag in dr oberen Hälfte im Plus. Dumm nur dass die ganzen Beteiligungen, vor denen alle Gewerkschaften gewarnt haben, dann dazu führten, dass man bei 15-20 MEUR Minus raus kamm. Aber man hat es ja und zahlt Dividende was mal gute 100 MEUR kostet. Und die Gründung der 100. Airline wird die Gesamtkosten auch nicht reduzieren und darum geht es ja auch nicht. Dass ist einzig und allein ein Machtkampf des Managements der es den Arbeitnehmer zeigen möchte. Und das geht seit mindestens 10 Jahren so. Ich möchte nicht wissen was in diesen 10 Jahren der Machtkampf gegen die Angekostet hat, es dürfte in die Milliarden gehen.
    Was haben den Beteiligungen wie BMI, LHI, AUA, Brussels, Jade Cargo.... gebracht? Einzig und Allein die Swiss war ein Erfolg. Und drum meint der Franz nun er sei der größte Manager aller Zeiten. Er hat da doch nur Glück gehabt, dass man ´von einer pleiten Airline sich die Sahnhäubchen rauspicken konnte. Das geht bei LH aber nicht, ausser man lässt sie pleite gehen.
    Ein sehr schlauer Mensch hat mal gesagt: Man kann ein Unternehmen nicht lange gegen seine Mitarbeiter führen, ganz besonders gilt das für ein Serviceunternehmen.
    In diesem Sinne, das nächstemal ein bißchen länger recherchieren und jemanden Fragen der sich mit dem Thema auskennt.

  • Leuchtet einerseits ein was die Flugbegleiter wollen. Andererseits muss nicht jeder Verständnis dafür aufbringen, wenn wiedermal die Großverdiener des Landes auf Kosten von Fluggästen einen Arbeitskampf vom Zaun brechen, der in dieser Krisenzeit nicht wirklich Aussicht auf Erfolg hat. Warum sollte es im unsolidarischen Europa eine Minderheit an Branchen geben, die vom Lohndumping aussen vor bleibt?
    Das spricht gegen alle wirtschaftlichen Interessen der Unternehmerseite.
    Willkommen in der Realität, Schlaraffenland ist abgebrannt und die Alternative heißt Lohnverzicht oder Harz IV

  • Warum sind SIE, Herr Stock nicht selbst solidarisch, und spenden einen Teil ihres Gehalts für Menschen, die am Existenzminimum leben müssen? Warum sind sie nicht einfach bereit, höhere Flugpreise zu akzeptieren, damit die menschen, die hart für ihr Geld arbeiten müssen, auch anständig entlohnt werden? Warum schaffen die Aktionäre es nicht, so solidarisch zu sein, für die Zeit der Krise auf Dividenen zu verzichten und warum halbiert der Vorstand der Lufthansa nicht mal sein Gehalt, verhungern werden die Vorstandsmitglieder sicher deshalb nicht.
    Ich kann es ihnen sagen: Die Wirtschaft will nicht dass wir uns solidarisch verhalten, die Regierung sägt am Solidaritätsprinzip in der Sozialversicherung, weil Menschen, die untereinander solidarisch sind, sich nicht einfach behrrschen lassen, sondern gemeinsam solidarisch Forderungen stellen.
    Wenn Solidarität nur da gefordert wird, wo es IHNEN in den Kram passt und IHNEN zum Vorteil gereicht, dann ist das gelinde gesagt in meinen Augen eine infame Heuchelei. Und sie sind in meinen Augen ein Heuchler.
    Lernen sie erst mal, das Solidarität auch dann nötig ist, wenn man selbst davon nicht profitiert, bevor sie von anderen eine Solidarität mit Menschen fordern, die unsere Solidarität nicht verdient haben

  • So sehr ich Ihnen am Anfang folgen kann, und mich noch gut an die vielen Auslagerungen, Ausflaggungen erinnern, aber hier von Ihnen so abschätzig gennannten „Transferempfänger“ ist dieser Sache nicht dienlich? Denn die wahren „Schmarotzer“ sitzen ganz oben, haben ihr Geld durch Ausbeutung erworben, und in die weltweiten Steueroasen verschoben „ sprich Offshore-Gesellschaften, die Kosten sozialisiert, und die Gewinne privatisiert. Es ist eine Schande, dass ein so reiches Land wie Deutschland es überhaupt zulässt, dass die sog. Arbeitgeber die Arbeitnehmer zu Almosen Empfängern und Bittsteller degradieren dürfen. Jetzt wollen Sie auch noch die Sozialabgaben, um 30 Prozent kürzen, zumal bezogen auf die Beitragsbemessungsgrenzen, sowieso sich die Besserverdienenden aus der Solidarität haben verabschiedet. Glauben Sie wirklich Sie helfen damit irgendeinem Arbeitnehmer? Subventioniert werden damit wieder einmal nur die sog. Arbeitgeber. Nach Ihrer Lesart, können wir ja wieder zentrale Arbeitslager einführen, und Gemeinschaftsbaracken etc. Dann haben zwar alle Arbeit, aber verdienen tuen nur noch die Arbeitgeber. Wie weit runter soll es denn noch gehen, waren Sie schon einmal in Länder der Dritten Welt? Ich meine nicht als Tourist? Soll das der Maßstab für Europa werden? Wo die Menschen für weniger als einen Dollar pro Tag arbeiten? Sich kein Trinkwasser leisten können, und in Hundehütten leben? Leben und leben lassen!


  • Wie kann etwas unsolidarisch sein, wenn doch „Marktkonform? Wer eine Marktkonforme Demokratie predigt, kann keine Solidarität erwarten, sondern nach Lesart der Herrschenden, ist ein Streik auch Marktonform. Deshalb, den heutigen Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa als “unsolidarisch” abzutun ist absurd.

    Wie kann jemand ernsthaft von Solidarität reden, wenn die Arbeitsmarktordnung die Durchsetzung individueller Interessen zum alleinigen Maßstab gemacht hat? Wo findet in diesen Strukturen “Solidarität” einen institutionellen Niederschlag? Die Solidarität der Flugbegleiter wäre in diesen Strukturen nichts anderes als die Subventionierung konkurrierender Interessen.
    Ein Ausgleich ist nicht vorgesehen, sondern lediglich die Nutzenmaximierung aller beteiligten Akteure – von den Aktionären, den Banken, dem Management bis zu einzelnen Mitarbeitergruppen. Das Unternehmen ist nur noch als die Summe konkurrierender Interessen zu betrachten. Seine Zukunft kann den Mitarbeitern daher gleichgültig sein, weil Arbeitsplatzsicherheit und Planbarkeit der eigenen Zukunft nicht zu deregulierten Arbeitsmärkten passen.
    Mitarbeiter müssen einzig darauf achten, dass sie ihren individuellen Schaden bei einem Arbeitsplatzverlust begrenzen. Das bedeutet möglichst lange hohe Einkommen zu generieren. Die Zukunft des Unternehmens ist nicht ihre Zukunft. Es vergeht kaum ein Tag, wo den Menschen dieses neoklassische Credo nicht um die Ohren gehauen wird.
    Jetzt verhalten sich die Menschen entsprechend. Hört auf zu jammern! Ihr habt nämlich die Arbeitsmarktordnung bekommen, die ihr arbeitsmarktpolitisch gewollt habt. Wer von Solidarität redet, soll an diesen unsolidarischen Strukturen etwas ändern. Es gibt für die Flugbegleiter der Lufthansa ansonsten keinen Grund auf dieses Gerede zu hören.

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