Machtkampf um Berlin
Schröder lehnt Koalition unter Merkel ab

Bundeskanzler Gerhard Schröder hält eine große Koalition unter Führung von CDU-Chefin Angela Merkel für ausgeschlossen. Die Deutschen hätten in der Kandidatenfrage eindeutig votiert.

HB BERLIN. "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel in dieser Sachlage eingeht, in dem sie sagt, sie möchte Kanzlerin werden", sagte Schröder am Sonntag in der von ARD und ZDF übertragenen Diskussionsrunde deutscher Spitzenpolitiker. Er selbst wolle Gespräche führen und wolle dabei erfolgreich sein, betonte Schröder. Er hatte bereits angekündigt, trotz der Stimmenverluste seiner Partei bei der Bundestagswahl auch für die kommenden vier Jahre im Amt bleiben zu wollen.

Nach den bisherigen Hochrechnungen haben weder Union und FDP noch die Regierungskoalition aus SPD und Grünen eine Mehrheit. "Das kriegen Sie nicht hin", sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF. Zuvor hatte er erneut Anspruch auf das Amt des Regierungschefs erhoben. Neben einer großen Koalition sind eine Ampelkoalition oder eine Minderheitsregierung möglich. Die FDP schloss ein Bündnis mit SPD und Grünen aber aus.

"Es wird keine Ampel in Deutschland geben mit den Freien Demokraten", sagte FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle. Der FDP-Chef betonte, seine Partei sei angetreten, um Rot-Grün abzulösen. Dabei bleibe es "haargenau". Zuvor hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seinen Anspruch wiederholt, Regierungschef bleiben zu wollen.

Der Grünen-Spitzenkandidat Joschka Fischer räumte das Ende der rot-grünen Bundesregierung ein. "Rot-Grün hat keine Mehrheit", sagte der Außenminister. Über den künftigen Bundeskanzler würden nun die großen Parteien entscheiden, und nicht die Grünen. Für seine Partei sprach er dennoch von einem "sehr guten Ergebnis". Fischer ließ am Wahlabend alle Optionen offen, auch, dass die Grünen womöglich doch auch in der neuen Bundesregierung vertreten sein könnten. In welcher Konstellation das sein könnte, sagte Fischer nicht.

"Einigermaßen überrascht"

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel wies den erneuten Anspruch von SPD-Spitzenkandidat Gerhard Schröder auf das Amt des Bundeskanzlers scharf zurück und reaklamierte das Amt des Regierungschefs für die Union. "Den Regierungsauftrag hat derjenige, der die stärkste Fraktion stellt", sagte Merkel am Sonntagabend in der Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden.

Mit Blick auf die Äußerungen von Schröder sagte die CDU-Vorsitzende, sie sei einigermaßen überrascht, wie von Schröder das Wahlergebnis dargestellt werde: "In dem Fall, wo zwei Parteien zusammenkommen müssen, stellt die stärkere auch den Bundeskanzler." Sie werde mit allen Parteien außer der Linkspartei Gespräche über eine Regierungsbildung führen.

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