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Riskanter Boom

Der stärkste Aufschwung in den USA seit 20 Jahren lässt die Börsen zulegen, wie seit dem High-Tech-Boom Ende der neunziger Jahre nicht mehr. Doch anders als damals gehen die Investoren auf Nummer sicher. Sie nehmen den Aufschwung mit, ohne die Risiken aus dem Auge zu verlieren.

Der stärkste Aufschwung in den USA seit 20 Jahren lässt die Börsen zulegen, wie seit dem High-Tech-Boom Ende der neunziger Jahre nicht mehr. Doch anders als damals gehen die Investoren auf Nummer sicher. Sie nehmen den Aufschwung mit, ohne die Risiken aus dem Auge zu verlieren. Deshalb marschieren neben Aktien auch der Euro und die Fluchtwährung Gold nach oben. Zu Recht, denn im Aufschwungsland USA lauern die größten Gefahren. Diese werden durch die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, die Zinsen weiterhin für beträchtliche Zeit auf dem niedrigsten Niveau seit 45 Jahren zu belassen, nicht geringer, sondern nur aufgeschoben.

Kurzfristig überwiegen noch die Chancen. Vorausgesetzt, der Aufschwung zieht alle Branchen nach oben, steht einer weiteren Börsenrally nichts entgegen. Mittelfristig sieht das anders aus, weil die Qualität des Aufschwungs beunruhigt.

Mit Steuergeschenken und niedrigen Zinsen animieren Regierung und US-Notenbank zu neuen Ausgaben. Doch der hoch verschuldete amerikanische Staat, dem zu mehr als der Hälfte die Zuwachsraten zu verdanken sind, kann seine Ausgaben nicht immer weiter steigern. Noch schwerer wiegt, dass im Gegensatz zu früheren Rezessionen US-Konsumenten im Abschwung ihre Schulden nicht abgebaut haben. Die Haushalte wenden gut 15 Prozent ihrer Einkommen für Zinsen und Tilgung auf. Hinzu kommt das Handelsbilanzdefizit. Die USA brauchen täglich 1,5 Milliarden Dollar aus dem Ausland, weil sie mehr importieren als ausführen.

Wenn 2004 die Fiskalimpulse der Regierung auslaufen, Anleger mangels neuer Wachstumschancen weniger in den Dollarraum investieren und Asien nicht mehr wie bisher gegen den Dollarverfall interveniert, droht die amerikanische Verschuldung zur größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg auszuufern.

Die Risiken sprechen für einen billigeren Dollar, aber auch für fallende Börsen. Die USA repräsentieren 55 Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung, aber nur 30 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Bekommen Investoren Zweifel an der kraftvollen Fahrt der Wachstumslokomotive, werden sich viele Ungleichgewichte auflösen. Dazu gehört auch der simultane Boom von Aktien, Gold und Euro.

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