MAN
Machtmensch Piëch

Offiziell bestätigt die Gerüchte niemand: Ferdinand Piëch, Miteigentümer des VW-Großaktionärs Porsche, Miteigentümer des milliardenschweren Autohändlers Porsche Holding und Chef des VW-Aufsichtsrats, soll nun auch den Job des Chefkontrolleurs beim Münchener LKW-Hersteller MAN anstreben.

Doch für jeden, der den fast 70-Jährigen kennt oder auch nur seinen bisherigen Werdegang verfolgt hat, klingen solche Ambitionen plausibel. Mehr noch: Sie drängen sich fast auf. Piëch wird ein fast manisches Kontroll- und Machtbedürfnis nachgesagt. Der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden ist dafür genau das richtige Terrain. Üblich wäre zwar, dass Martin Winterkorn als Vorstandschef des Großaktionärs die Führung des Gremiums bei MAN anstrebt. Doch Chancen, seine Machtfülle zu vergrößern, hat Piëch bislang noch nie vergeben. Also warum gerade bei MAN?

Dass VW mit dem Erwerb von 20 Prozent der MAN-Aktien den Anspruch erworben hat, mindestens zwei Aufsichtsräte zu stellen, wird allgemein akzeptiert. Bei einer normalen Präsenz in Hauptversammlungen dürfte Piëch also keine Probleme haben, in das Gremium gewählt zu werden. Dies umso weniger, als in der Finanzbranche längst vermutet wird, dass sich die Wolfsburger über Dritte bereits weitere MAN-Aktien gesichert haben. Nicht umsonst wurde beim Kartellamt ein Anteil von bis knapp unter 30 Prozent an MAN angemeldet. Die Machtverhältnisse in München sind also geklärt.

Die eigentliche Frage ist, ob Piëch innerhalb des paritätisch mit Vertretern der Kapital- und Arbeitnehmerseite besetzten Gremiums eine Mehrheit als Vorsitzender auf sich vereinen könnte. Zuzutrauen ist es dem Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Denn der in der Öffentlichkeit eher verstockt wirkende Piëch gilt als Meister der Absprachen hinter den Kulissen.

Im VW-Aufsichtsrat sichern ihm die Vertreter der IG Metall, die wie ein Mann hinter Piëch stehen, seit Jahren die Macht. Diesen Schulterschluss des Arbeitnehmerlagers mit dem Milliardär bei MAN zu wiederholen wird allerdings schwieriger. Denn die Arbeitnehmer sind alarmiert: Sie wissen, dass der Autonarr Piëch nur am LKW-Geschäft von MAN Interesse hat. Sein klares Ziel ist es, aus MAN, dem schwedischen Konkurrenten Scania und den brasilianischen Brummi-Aktivitäten von VW ein neues Schwergewicht der LKW-Branche zu schmieden. Mit dem Stahlgeschäft einer MAN-Ferrostal mit Turbomaschinen oder Schiffsmotoren hat er nichts am Hut. Die Arbeitnehmervertreter dieser Bereiche im Aufsichtsrat, die eine MAN-Zerschlagung ablehnen, wird Piëch nur mit weit reichenden Zusagen überzeugen können, gerade ihn zum Aufsichtsratschef zu wählen.



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