MAN-Scania
Brummi-Posse

Einen schönen Salat haben da Investor, MAN, Scania und Volkswagen angerichtet: Das, was aus industrieller Sicht eine richtige Entscheidung ist, nämlich die Schaffung eines neuen LKW-Riesen in Europa, gestaltet sich mehr und mehr zu einer Posse.

Da legt MAN den Schweden ein Übernahmeangebot vor, das diese zunächst als feindlich ablehnen. Offenbar war die Offerte weder mit Scanias größtem Aktionär Volkswagen noch mit dem zweitgrößten Teilhaber, der Wallenberg-Holding Investor, abgesprochen. Auf das Nein aus Stockholm und Wolfsburg folgten mehrere Pirouetten, bei denen Volkswagen – mittlerweile größter Einzelaktionär bei Scania und MAN – eine nicht immer gute Figur abgab. Zunächst schienen sich die Wolfsburger auf die Scania-Seite zu schlagen. Später erweckten sie den Eindruck, gemeinsame Sache mit MAN gegen Scania machen zu wollen.

Erste Opfer hat der LKW-Zirkus bereits gefordert: VW-Chef Bernd Pischetsrieder musste seinen Hut nehmen. Doch er wird wohl nicht der Einzige sein, der auf der Strecke bleibt: Weder MAN-Chef Håkan Samuelsson noch Scania-Chef Leif Östling sitzen sicher. Und auch die mächtige Wallenberg-Familie, eine der letzten Dynastien in Europa, riskiert deutliche Blessuren: Wollen sie Scania zum besten Preis verkaufen oder aktiver Lenker in einem neuen LKW-Konzern werden? Eine eindeutige Antwort steht aus. Heute oder morgen wird MAN wohl das offizielle Übernahmeangebot präsentieren. Die Reaktionen aus Stockholm sind schon jetzt klar. Das „Nej tack“ bleibt bestehen, die Sackgasse, in die sich die Akteure hineinmanövriert haben, wird nur noch länger. Merkwürdig, wo doch alle – ohne Ausnahme – die Bildung eines neuen, schlagkräftigen LKW-Riesen angesichts enormer Investitionen in die Entwicklung abgasfreier Dieselmotoren für so überaus sinnvoll halten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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