Manager-Gehälter
Kommentar: Quasselnder Goldjunge

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Mut zur Wahrheit“ heißt das Buch, das Utz Claassen im März 2007 veröffentlicht hat. Da war er noch 43 und Chef des drittgrößten deutschen Energieversorgers EnBW. Wenige Monate später verabschiedete er sich mit einer mehr als fürstlichen Pension in den vorgezogenen Ruhestand. Jahr für Jahr bis zum Lebensende fast 400 000 Euro fürs Dolce far niente – das nennt man gut verhandelt.

So kann Claassen die Nation jetzt entspannt mit Auftritten in Quasselrunden wie zuletzt bei Anne Will beglücken. Dort hat er in den scheinheiligen Chor des Bundes empörter Steuerzahler eingestimmt und tüchtig auf seinen Ex-Kollegen Zumwinkel und dessen Liechtenstein-Connection eingedroschen.

Es sind solche Verhaltensweisen, die nationalen Zorn auf die angeblich verkommene Moral unserer wirtschaftlichen Eliten anfeuern – eine höchst zweifelhafte öffentliche Erregung.

Dass das Spitzenmanagement hierzulande mehr vom Aufschwung gehabt hat als die Masse der von ihnen Geführten, steht außer Frage. Dass sich manch einer mehr gönnt, als ihm zusteht, wohl auch. Aber das soll es auch in „normalen“ Kreisen geben.

Spricht stattdessen die ökonomische Vernunft, dann zeigt sich, dass viele Unternehmen längst sensibilisiert sind, wenn es um Managergehälter geht. Längst hat hier, gefördert durch die Arbeit der Cromme-Kommission für gute Unternehmensführung, ein neues Denken begonnen.

Gerade der Fall EnBW beweist, dass man dazugelernt hat. Der neue CEO wird nur noch einen Bruchteil dessen erhalten, was Claassen bekommt. Dem mitteilungsbedürftigen Vorruheständler aber sei dringend angeraten, sich dieser Tage der alten Gentleman-Tugend zu besinnen: genieße und schweige.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter

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