Managergehälter
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Angela Merkel geißelt die hochbezahlten Versager in der Wirtschaft als Gefahr für das „soziale Gleichgewicht unseres Landes“, Peer Steinbrück nimmt sich die „hochnäsigen Banker“ zur Brust. Und der höchste Repräsentant des Staates, Horst Köhler, mahnt eine „Kultur der Mäßigung“ an – das klingt schon wie Verzweiflung.

Auf die Bühne gezerrt werden Männer wie Hartmut Mehdorn. Der Bahn-Chef wie auch sein Kollege Manfred Wennemer von Continental sehen sich genötigt, in einschlägigen Boulevardzeitungen den Vorwurf der Abzockerei zu kontern. Sie haben schwache Argumente. Ihr Jahressalär liege durchaus im Rahmen des Normalen, lautet die Verteidigungslinie. Doch was ist hier „normal“? Die 1,4 Millionen Euro des billigsten Dax-Konzernlenkers, Tui-Chef Michael Frenzel? Die vermuteten 60 oder 70 Millionen Euro des Porsche-Cheffahrers Wendelin Wiedeking? Oder vielleicht die 440 000 Euro, die ein durchschnittlicher Vorstand irgendeiner durchschnittlichen Aktiengesellschaft in diesem Land verdient?

Die Debatte um Managerbezüge nimmt skurrile Züge an. Wen meinen Köhler, Merkel und Steinbrück eigentlich? Wiedeking ist ein schwieriger Fall. Porsche produziert fast genauso viel Gewinn wie Umsatz, beglückt jeden Mitarbeiter mit einer dicken Sonderzahlung. Auch wenn ihn sein zweistelliges Millionen-Gehalt zum bestbezahlten Industrieboss der Welt macht – warum sollte man Wiedeking dafür schelten? Das Management der Mittelstandsbank IKB oder der sächsischen Landesbank, die mit staatlicher Hilfe vor der Pleite bewahrt werden, kann auch nicht gemeint sein. Denn die gefeuerten Herren Vorstände waren zuvor nicht durch flotte Sprüche aufgefallen, man kennt kaum ihre Namen. Kritik könnte eher den anderen Spitzenbankern gelten, doch deren Instituten geht es dummerweise bestens – trotz weltweiter Kreditkrise.

Gemeint sind wohl Manager wie Ed Zander. Der berühmte Motorola-Chef muss wegen anhaltender Erfolglosigkeit gehen, bekommt aber zum Abschied einen lukrativen 15-Millionen-Dollar-Beratervertrag. Oder vielleicht Zoe Cruz von der Investmentbank Morgan Stanley. Die umstrittene Co-Präsidentin ist über 3,7 Milliarden Dollar Sonderabschreibungen als Folge des Subprime-Engagements gestürzt. Zum Dank gibt es ein sattes 30-Millionen-Dollar-Gehalt.

Diese Herrschaften sind eigentlich so weit weg von der bundesdeutschen Realität, dass kollektives Warngeschrei unserer Spitzenpolitiker ins Leere laufen müsste – eigentlich. Das Gegenteil ist der Fall. Das Theaterstück um Managerbezüge findet großen Beifall. Dabei versteht kaum ein Zuschauer, worum es wirklich geht.

Streiten wir über die absolute Höhe der Gehälter? Kritisieren wir, dass auch Erfolglose volle Bezüge kassieren, weil es eben vertraglich so geregelt ist? Oder stören wir uns daran, dass goldene Fallschirme das sogenannte Managerrisiko ad absurdum führen? All das wird munter durcheinandergeworfen. Und: Der Blick verengt sich auf die Top-Manager der 100 großen Konzerne. Deren Bezüge sind in der Tat explodiert. Sie verdienen heute mit durchschnittlich 1,8 Millionen Euro das Achtfache ihrer Kollegen vor drei Jahrzehnten.

Ist schon das zu viel? Nicht einmal die Kanzlerin würde das vermutlich behaupten. Für Manager gibt es nun mal keine Tarifverträge – zum Glück. Und was die Exzesse mit Abfindungen betrifft: Sie abzustellen liegt in der Macht von Politikern. Sie bräuchten nur die Rechte der Aktionäre in Gehaltsfragen zu stärken.

Die neu aufgeflammte Debatte um Managergehälter als Possenspiel abzutun wäre fahrlässig. Denn dieses Zitat sagt alles: „Die Maßlosigkeit mancher Manager schädigt den Ruf der Sozialen Marktwirtschaft mehr als die Forderung nach Mindestlöhnen“, sagt Unionsvize Wolfgang Bosbach. Er irrt gewaltig. Starre Mindestlöhne blockieren das System. Gehaltsexzesse sind zwar lästig, aber systemkonform. Wenn aber selbst ein einflussreicher Unionspolitiker die Mechanismen der Marktwirtschaft nicht verstanden hat, dann müssen sich Deutschlands Topmanager in Zukunft warm anziehen. Den Abzockern unter ihnen wird das sicher nicht schaden, aber Tausenden, die einen guten Job machen und dafür „normal“ bezahlt werden.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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