Managervergütung
Setzt wirksame Grenzen!

Es ist ein Aufstand der Insider: Die Forderung, Vorstandsgehälter zu deckeln, ist richtig. Die zweistelligen Millionengehälter von Ackermann und Winterkorn sind zwar erklär-, aber nicht vermittelbar.
  • 5

Die Dauerdebatte über eine korrekte und angemessene Bezahlung unserer Manager ist an einen Wendepunkt gekommen. Bislang gab es zwei Lager: Politiker, Gewerkschafter und einfache Angestellte auf der einen Seite, die Vorstände, Geschäftsführer, Gesellschafter und Aufsichtsräte großer Konzerne auf den anderen Seite. Sie standen unversöhnlich gegenüber. Wer 50000 Euro Jahresgehalt bekommt, kann mit Vergütungsansprüchen von mehreren Millionen Euro nichts anfangen – und hält sie schlicht und ergreifend für Irrsinn.

Nun aber ist auch das Lager der Empfänger von Millionengehältern gespalten. Das muss man so nüchtern feststellen, auch wenn die Diktion des Briefs, den Klaus-Peter Müller und Manfred Gentz ihren Chefaufsichtsrats-Kollegen geschrieben haben, viel moderater ist. Fakt bleibt: Die beiden Autoren haben ein Tabu gebrochen mit ihrem Vorschlag, Vorstandsvergütungen zu deckeln. Dass die geheime Initiative ans Tageslicht kommt, war sicher nicht so geplant. Aber es ist ganz im Sinne der Initiatoren.

Es ist schon wieder typisch, dass führende Vertreter der deutschen Wirtschaft nicht öffentlich klare Ansage machen. Stattdessen passt es zu dem Bild von der tiefen Kluft zwischen den Managern „da oben“ und den einfachen Bürgern „da unten“, dass Diskussionen nur hinter den Kulissen geführt werden. Genau das nährt den latenten Verdacht, dass sich Aufsichtsräte und Vorstände gegenseitig die Pfründen zuschieben.

Zum Glück gibt es ein Umdenken. Auch der einflussreiche Manfred Schneider plädiert für individuelle Kappungsgrenzen. Experten reiben sich verwundert die Augen. Denn Kappungsgrenzen für Boni und Tantiemen hat inzwischen eigentlich jeder Dax-Konzern. Trotzdem schießen die Bezüge durch die Decke. Der Grund: Die Manager können ihre Ziele viel zu leicht erreichen. Der jüngste Vorschlag, die Bezüge zu begrenzen, ist deshalb so zu interpretieren: Setzt wirksame Grenzen!

Solange das nicht geschieht, wird es Ausreißer à la VW-Chef Martin Winterkorn und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geben. Deren Vergütungen im zweistelligen Millionenbereich sind erklär-, aber nicht vermittelbar. Die Unternehmen müssen begreifen, dass der Fehler in ihrem Vergütungssystem liegt. Sie können sich nicht mehr hinter dem Argument „Vertrag ist Vertrag“ verschanzen. Dann ist es eben ein schlechter Vertrag. Erstens sind solche Beträge nicht mehr mit Leistung begründbar. Und zweitens dürfen die Unternehmen nicht vergessen, dass sie sich in einem gesellschaftlichen Umfeld bewegen, von dem sie profitieren, dessen Regeln sie aber auch akzeptieren sollten.

Manager tragen eine besondere Verantwortung. Oder mit den Worten der Aufständischen Müller und Gentz: „Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

Kommentare zu " Managervergütung: Setzt wirksame Grenzen!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Finger weg von Bevormundungen liebes Handelsblatt!

  • Kaum zu glauben, diese Neiddebatte! Wenn ein Manager solche Konditionen aushandelt, ist er doch clever, oder? Wer für die Zeitung schreibt und seine Vergütung beklagt, hätte eben bei der Berufswahl aufpassen sollen :-)

  • WARUM sollte es Grenzen geben, Ihr Neider?

    Ich verdiene auch keine Millionen. Aber Eurer Neid, Eure linkische Missgunst machen mir Angst. Wo soll das Enden? Auf dem Scheiterhaufen? Im Sozialismus??

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%