Mannesmann-Prozess
Kein Freibrief

Josef Ackermann darf aufatmen: Die Gefahr, dass der Chef der Deutschen Bank am Ende des Mannesmann-Prozesses als Verurteilter das Düsseldorfer Landgericht verlässt, ist offenbar gebannt. Das ist eine überraschende Nachricht - nicht nur für den Schweizer.

Josef Ackermann darf aufatmen: Die Gefahr, dass der Chef der Deutschen Bank am Ende des Mannesmann-Prozesses als Verurteilter das Düsseldorfer Landgericht verlässt, ist offenbar gebannt. Das ist eine überraschende Nachricht - nicht nur für den Schweizer. Auch die einzige Finanzgruppe des Landes mit globaler Bedeutung, die der ehrgeizige Manager wieder auf Wachstums- und Gewinnkurs getrimmt hat, ist eine Sorge los.

Die für den Bankchef und seine Mitangeklagten entlastende Zwischenbilanz von Richterin Brigitte Koppenhöfer ist aber vor allem eine wichtige juristische Klärung für Deutschland. Prämienzahlungen im Rahmen von Fusionen und Übernahmen sind – selbst wenn sie unanständig üppig ausfallen sollten – nicht strafbar. Die Moral stand in Düsseldorf nicht zur Debatte.

Dies muss am Ende auch die Staatsanwaltschaft akzeptieren, die sich völlig verrannt hatte. Wenn jetzt keine schwer wiegenden neuen Beweise mehr aus dem Hut gezaubert werden, dann sind die Freisprüche sicher.

Ein Freibrief für muntere Selbstbedienung in den Chefetagen sind die Koppenhöfer-Wertungen allerdings keineswegs. Mit dem Aktienrecht waren die Millionen-Abfindungen nach der gestrigen Einschätzung der Richterin nicht vereinbar. Nun kommt es entscheidend darauf an, wie das Urteil im Detail ausfallen wird. Dann kann man auch die Bedeutung des Prozesses für das in Deutschland immer noch unterbelichtete Thema „Corporate Governance“, die möglichst transparente Unternehmensführung, ermessen.

Die in Düsseldorf aufgeworfene Frage etwa, ob Millionen-Prämien für erfolgreiche Manager im Interesse eines Unternehmens sind oder nicht, ist noch offen. Viele Juristen halten hohe Prämien für schädlich. Aktionäre und Mitarbeiter dürften anders denken: Den einen geht es um die Rendite des eingesetzten Kapitals, den anderen um attraktive Arbeitsplätze. Wenn diese Ziele erreicht werden, indem Höchstleistungen von Managern belohnt werden, kann dies im Interesse des Unternehmens sein. Wo die Angemessenheit endet, können Gerichte nicht entscheiden. Die Wirtschaft sollte in Zukunft eigenverantwortlich Zurückhaltung üben.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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