Marktkauf
Zu kurz gegriffen

Erst Real, dann Wal-Mart, jetzt Marktkauf: Deutschlands SB-Warenhäuser, einst gefeierte Konsumtempel auf der grünen Wiese, werden zu Krisenherden des Einzelhandels.

Gründe hierfür sind zum einen die steigenden Spritpreise. Diese halten die Verbraucher zunehmend von den oft langen Anfahrten an den Stadtrand ab. Immer mehr Kunden kaufen lieber im Supermarkt an der Ecke, der allerdings inzwischen meist ein Discounter ist. Auch beim Preisniveau fällt es den riesigen Verkaufsmaschinen schwer, im Wettbewerb gegen Aldi, Lidl&Co. mitzuhalten.

Gefragt sind deshalb strategische Entscheidungen. Wal-Mart traf sie bereits: Die Amerikaner verlassen nach sieben erfolglosen Jahren den deutschen Markt. Wettbewerber Real, der seinen Mutterkonzern Metro zuletzt durch hohe Verluste schwer belastete, griff mit dem jüngsten Zukauf nach der Marktführerschaft in Deutschland. Dies soll den Märkten bessere Einkaufspreise bescheren. Zugleich baut Real durch Übernahmen in Polen und Erweiterung des Geschäfts in Russland sein gewinnträchtiges Auslandsengagement aus.

Zeit, um sich ebenfalls ein Konzept gegen den Niedergang zu überlegen, hatte Marktkauf reichlich. Denn wenig berauschend entwickelte sich das Geschäft schon, als man noch unter dem Namen AVA an der Börse notiert war. Doch Mehrheitsaktionär Edeka benötigte einen allzu langen Anlauf. Erst stockte man peu à peu die Anteile auf, dann warf man die Mehrheitsaktionäre per Squeeze-out aus dem Unternehmen, um es im Schatten der Öffentlichkeit in Ruhe sanieren zu können.

Doch eingefallen ist Edeka angesichts der strukturellen Probleme wenig. Rund 1 000 Mitarbeiter will man nun nach Hause schicken. Ein Konzept ist das nicht.

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