Marktmanipulation
Porsche-Verdacht: Viel zu spät!

Die Finanzaufsicht verdächtigt Porsche im Fall VW der Marktmanipulation – warum erst jetzt? Marktmanipulation, Insiderverstoß? Wer am 26. Oktober des Jahres 2008 nicht ahnte, dass da irgendwas nicht stimmen konnte, dem ist nicht zu helfen.

Marktmanipulation, Insiderverstoß? Wer am 26. Oktober des Jahres 2008 nicht ahnte, dass da irgendwas nicht stimmen konnte, dem ist nicht zu helfen. An diesem Tag war Volkswagen für Stunden das teuerste Unternehmen der Welt, die Aktie des biederen Wolfsburger Autokonzerns explodierte auf mehr als 1000 Euro. Die Spekulationsblase war genährt von einer völlig unklaren Informationslage darüber, was der Sportwagenbauer Porsche vorhat. Vor allem aber, wie er die Machtübernahme finanzieren will.

Jetzt werden die Medien über die einstigen Wundermanager Wendelin Wiedeking und seinen früheren Finanzadlatus Holger Härter herfallen. Erst den Deal des Jahrhunderts heimlich einfädeln, dann scheitern und gefeuert werden von den Eigentümern, jetzt die Staatsanwaltschaft am Hals. Wenn das keine Story ist.

Aber halt! Warum schaltet sich die staatliche Finanzaufsicht BaFin eigentlich erst jetzt ein? Kann es sein, dass da irgendwer prächtig geschlafen hat? Oder ist es eine politische Entscheidung, den Staatsanwalt erst zu einem Zeitpunkt zu aktivieren, nach dem Porsches Ex-Herrscher vom Thron gestoßen sind? Es darf daran erinnert werden: Der Übernahmekampf um Volkswagen dauert bald vier Jahre.

Was anfangs als Rettungsaktion für den angeblich übernahmegefährdeten VW-Konzern verkauft wurde, erwies sich schon bald als perfekt getarntes Anschleichen. Mehr noch. Wiedekings Finanzmann Härter brillierte als trickreicher Jongleur mit komplexen Finanzinstrumenten wie Optionen. Niemals in den Jahren hat er sich wirklich in die Karten schauen lassen, niemand außer einer kleinen Führungscrew bei Porsche wusste vermutlich wirklich, welch existenzbedrohendes Risiko die Stuttgarter die ganze Zeit fuhren.

Stattdessen fütterten die ehemaligen Porsche-Chefs den Markt mit halbgaren und halbwahren Informationen. Das mag man Taktieren nennen. Es brachte Porsche ja auch vorübergehend Milliardengewinne ein. Das kann man auch Marktmanipulation nennen. Dass sich Investoren und einige Banker, traumhafte Gewinne vor Augen, zu Dutzenden ihre Finger schwer verbrannt haben, das muss man nicht bedauern. Die wundersame Geldvermehrung Porsches aber, die wundert uns schon lange.

fockenbrock@handelsblatt.com

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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