Massenvernichtungswaffen
Kommentar: Geheimdienst-Pannen

Die Drehbuch-Schreiber im Weißen Haus hatten sich alles fein ausgedacht: US-Präsident Bush sollte auf seiner Afrika-Reise eine historische Anti-Aids-Initiative starten und das Image einer mildtätigen Supermacht verbreiten.

Die Drehbuch-Schreiber im Weißen Haus hatten sich alles fein ausgedacht: US-Präsident Bush sollte auf seiner Afrika-Reise eine historische Anti-Aids-Initiative starten und das Image einer mildtätigen Supermacht verbreiten.

Diese Rechnung ging nicht auf. Die Fotos mit dem Präsidenten, der farbigen Kindern die Hände schüttelt, waren plötzlich nebensächlich. Im Vordergrund standen kritische Fragen, wie Falsch-Informationen in eine Bush-Rede vom 28. Januar gelangen konnten. Bereits das pure Eingeständnis der Regierung, dass der Satz vom angeblichen Uran-Deal des Iraks in Afrika ein Flop gewesen sei, ist spektakulär. Noch schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass diese gravierende Panne im Gegensatz zum bislang unerschütterlichen Selbstbewusstsein der Administration steht. Die Frage aller Fragen lautet nun: Hat Bushs Beweis- und Indizienkette, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt, noch mehr Lücken? Und weiter: Steckt Nachlässigkeit dahinter oder der Versuch der Täuschung?

Die Entlastungsversuche des Weißen Hauses sind alles andere als überwältigend. Zwar hat CIA-Chef George Tenet die Verantwortung dafür übernommen, dass der entscheidende Satz nicht aus der Präsidentenrede gestrichen wurde. Doch die Rolle des Schwarzen Peters wirkt konstruiert. Denn bereits im Oktober 2002 hatte Tenet das Weiße Haus vor der Behauptung gewarnt, der Irak habe sich im Niger um Uran-Konzentrat bemüht.

Die US-Regierung sieht sich nun mit dem Verdacht konfrontiert, die Fakten einer bereits zuvor feststehenden Wahrheit untergeordnet zu haben. Sie muss daher ihre Version von der Bedrohung durch Saddam lückenlos dokumentieren. Bush ist plötzlich ein Getriebener. bac

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