Maut-Desaster
Jetzt erst recht!

Das Possenspiel um die LKW-Maut ist zweifellos eine gewaltige Blamage für den Technologiestaat Deutschland. Doch was ist die Konsequenz?

Das Possenspiel um die LKW-Maut ist zweifellos eine gewaltige Blamage für den Technologiestaat Deutschland. Doch was ist die Konsequenz? Sollen wir eine ausgereifte, technisch simplere Lösung aus dem Ausland übernehmen und die Entwicklungskosten für das satellitengestützte LKW-Maut-System in den Wind schreiben? Wenn es nur darum ginge, bei den Spediteuren und später vielleicht bei allen Autofahrern abzukassieren, dann reichte das vollkommen. Aber es geht um mehr.

Es geht darum, dass die deutsche Wirtschaft in den wenigen Branchen, in denen sie Weltspitze ist, die Führungsrolle behält. Doch wenn es uns im eigenen Land nicht gelingt, eine anspruchsvolle technische Lösung für die Steuerung des rasant wachsenden Individualverkehrs zu finden, dann geben wir unseren Führungsanspruch in der Autoindustrie auf. Und wenn wir daran scheitern, ein flächendeckendes Netz für Telematik- Dienstleistungen zu bauen, dann haben wir zu Unrecht den Ruf eines Vorreiters der Mobilfunktechnologie.

Die Idee, ein satellitengestütztes Telematik-Netz aufzubauen, ist nach wie vor richtig – genauso wie ihre Umsetzung durch ein privates Konsortium. Das Problem ist nicht, dass deutsche Ingenieure unfähig wären, ein solches System zu konstruieren, das Problem liegt im katastrophalen Management des Projekts.

Auf Seiten der Industrie haben sich die Konsorten Telekom und Daimler-Chrysler hinter ihrem Gemeinschaftsunternehmen Toll Collect versteckt und eigentlich nie den Eindruck vermittelt, dass sie das Projekt wirklich wollen. Wo waren Ricke und Schrempp? Es kann nicht sein, dass die Unternehmen einen Milliardenauftrag ohne Risiko wollen, unrealistische Fristen versprechen und dann beim Projektmanagement versagen. Andererseits kann man es ihnen nicht übel nehmen, dass sie sich nur höchst ungern von einem offenbar sehr vorteilhaften Vertrag trennen.

Darum ist es zu billig, wenn die Regierung jetzt die Firmen prügelt, um davon abzulenken, dass sie Verträge geschlossen hat, die für sie ungünstige Regelungen enthalten. Damit das Gewürge ein Ende hat, muss die Maut Chefsache werden: Schröder sollte Ricke und Schrempp zum Dreiergipfel laden.

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