Mein Kopf gehört mir
Statements von Unternehmern

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Managern und Firmenbossen.
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DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Schutz für Hightech

Jedes Unternehmen muss sein geistiges Eigentum, das Teil des Unternehmenswertes ist, schützen - so auch die MTU Aero Enginges. An einem Hightech-Standort wie Deutschland werden die kreativen Ideen unserer Ingenieure und Entwickler insbesonders durch das Patentrecht geschützt. Die internationale Anerkennung dieser rechtlichen Grundlage erleichert uns in der Praxis die firmen- und grenzübergreifende Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Auf Basis dieser Rechtsgrundlage lassen sich beispielsweise neueste Triebwerkstechnologien wie das treibstoffsparende Pure Power PW1000G gemeinschaftlich entwickeln und realisieren. Anhand der Patente ist der jeweilige Entwicklungsbeitrag des einzelnen Partners klar definiert und bietet die notwendige Transparenz und Rechtssicherheit.

EGON BEHLE, Chef MTU Aero Engines

Äpfel und Birnen

Wenn jemand mit einem Anderen einen Apfel und eine Birne teilt, dann ändert sich die Menge Obst durchs Teilen nicht: Beide bekommen eine halbe Birne und einen halben Apfel. Wenn jemand einem Anderen eine Datei kopiert, dann haben beide anschließend eine Datei desselben Inhalts. Die Anzahl an Dateien hat sich also verdoppelt. Daher betrachtet der Gesetzgeber diesen Vorgang nicht als „Teilen“, sondern als „Vervielfältigung“. Letztere ist lizenz- und kostenpflichtig.

STEPHAN BENN, Musikverleger

Kein Kavaliersdelikt

Die Fälschung von Produkten ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um ein ernsthaftes Problem, das wir mit allen Mitteln bekämpfen müssen. Der materielle Schaden für die einzelnen Unternehmen und für die Gesamtwirtschaft ist gewaltig. Für Fälscher sind vor allem bekannte Marken interessant. Dazu gehören auch Prüfzeichen wie das blaue Oktagon von TÜV SÜD. Wir verfolgen im Kampf gegen Prüfzeichenfälscher eine Null-Toleranz-Strategie. Dabei haben wir nicht nur den Schutz unserer Prüfzeichen und unserer Marke im Blick, sondern vor allem auch den Schutz der Verbraucher. Denn Produkt- und Prüfzeichenfälscher unterlaufen die gesetzlichen Vorgaben für sicherheitsrelevante Prüfungen beispielsweise nach dem deutschen Produktsicherheitsgesetz oder nach der europäischen Maschinenrichtlinie und bringen mängel- und risikobehaftete Produkte auf den Markt. Markeninhaber, Verbände und Behörden müssen auf internationaler Ebene zusammenarbeiten, um Verbraucher vor dieser Gefahr zu schützen.

JOACHIM BIRNTHALER, Sprecher der Geschäftsführung TÜV SÜD Product Service GmbH

Know-how nicht für Dritte

Aixtron ist ein führender Anbieter von Schlüsseltechnologien für die Produktion von Halbleitern. Die Fähigkeit, Spitzentechnologie liefern zu können, ist von fundamentaler Bedeutung für die zukünftigen Ertäge und den Fortbestand unseres Unternehmens. Daher ist Forschung und Entwicklung das Herzstück von Aixtron und macht die Hälfte unserer Betriebsaufwendungen aus. Hier werden die Lösungen für die Produkte der Zukunft erarbeitet. Und natürlich sind wir bestrebt, diese Lösungen auch durch Patente und gewerbliche Schutzrechte abzusichern. Denn für uns ist die Schaffung geistigen Eigentums wichtiger als die Investition in materielle Vermögenswerte. Für ein mittelständisches Unternehmen wie Aixtron ist es unvorstellbar, dass dieses Know-how ohne unsere Zustimmung durch Dritte genutzt werden kann. Dies ist nach geltendem Recht in den meisten Ländern dieser Welt strafbar und das ist auch gut so. Auch für Investitionen in intellektuellen Besitz muss Rechtssicherheit gelten. Alles andere würde die Dinge auf den Kopf stellen und das Vermögen unserer Aktionäre und die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter gefährden.

WOLFGANG BREME, Finanzvorstand der Aixtron SE

Nicht alles freigeben

Das Internet stellt das Urheberrecht, das wörtlich und im übertragenen Sinn aus einem anderen Jahrhundert stammt, vor ganz neue Herausforderungen. Die Politik ist hierbei dringend gefragt, langjährige bewährte Regelungen an die neue Zeit anzupassen und andere, die überholt sind, zu überarbeiten. Die Lösung kann jedoch nicht darin bestehen, sämtliche kreativen und gedanklichen Leistungen im Internet freizugeben. Kreativität hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht ausschließlich, aber in sehr hohem Maße immer dann entfaltet, wenn der Urheber zumindest die Chance hatte, daran etwas zu verdienen; dabei geht es häufig nicht um Reichtum, sondern um Anerkennung. Bereits heute ist es jedem kreativen Geist freigestellt, ihre bzw. seine Leistungen einfach und kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Sie bzw. ihn jedoch gesetzlich dazu zu zwingen, würde vor allem bedeuten, seine Arbeit zu entwerten. Wie sagt der Volkmund so treffend: "Was nichts kostet, ist nichts wert."

ANDREAS BUCHNER, Gründer und Chef der Communicatio AG

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  • Es ist die Idee die lebendig wird und sich den Weg der Verwirklichung sucht.
    Der Erfinder schützt mit einem Patentanwalt seine Idee, die zum Patent führt und gemeinsam bauen sie eine grosse Mauer um das Patent. Wie gut die Schutzmauer gebaut wurde zeigen gewonnene Patentprozesse. Jeder Erfinder kennt seinen persönlichen Weg der ihn von der Idee zur Verwirklichung führte. Der Ideendieb hat
    keinen Weg vorzuweisen. Es gibt sehr wohl Menschen die eine gleiche Idee haben, aber es waren verschiedene Wege die sie zum Resultat brachten. Jeder geistig beschenkte Mensch weiss das.

  • Ideenreichtum und Kreativität sind die wichtigsten Bestandteile des Menschen.
    Geistiges Eigentum muss entsprechend geschützt werden um Wettbewerb und Fortschritt zu garantieren. Wenn Patente nicht "einbruchsicher" geschützt sind, dann muss ein guter Patentanwalt gerufen werden. Der bessere gewinnt.

  • Ideenreichtum und Kreativität sind wichtige Bestandteile des Fundamentes, deren Umsetzung und Vermarktung tragende Säulen einer funktionierenden Wirtschaft. Den "Zement", welcher der ganzen Konstruktion seine Stabilität verleiht, stellen Schutzrechte dar. Es wäre nun sehr bedenklich und sogar töricht, wenn man bewusst versuchte an einigen Stellen diesen "Zement" auszuwaschen!

    Martin Ecker, Handwerker

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