Meinung
Das Erfolgsrezept der Skandal-Rapper

Songs von Verbrechen und Gewalt: Im Hip-Hop gehört das nicht nur zum guten Ton. Einige Rapper leben ihre Musik aus und landen deshalb immer wieder vor Gericht. Über den Erfolg einer ganz speziellen Musikrichtung.
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KölnKörperverletzung, Beleidigung und Hass-Rap: „Bushido“ ist bekannt für seine Ausfälle. Und unter den bekannten deutschen Rappern ist er der umstrittenste. Seine Ehefrau erhielt zuletzt Polizeischutz, weil der Musiker sie geschlagen haben soll, wie die „Bild“ berichtet.

Ein prominenter Extremfall, aber kein Einzelfall in der Rapper-Szene, die ihr ganz besonderes Image pflegt - im Auftreten wie in den Texten. Die Hosen hängen tief, die Mützen sitzen schräg und der Kopf nickt zum Beat: „Ich brech` dir dein Genick, Nigga“ (wie Busta Rhymes in seinem Song „Break Ya Neck“ rappt) „Lass’ es schmerzen“ (Busta Rhymes in „Make it hurt“) oder „Kugel in deinem Kopf“ (Rage Against The Machine in „Bullet in your head“).

Diese aus dem Englischen übersetzten Songtitel sind die Hymnen einer Subkultur. Ob „Snoop Dogg“, „50 Cent“ oder der „Wu-Tang-Clan“: Wer im Hip-Hop wirklich etwas auf sich hält, der pflegt in seinen Liedern das Badboy-Image und kokettiert mit Verbrechen und Gewalt.

Hierzulande zeigen Rapper wie „Bushido“, „Sido“ und „Xatar“, dass sie nicht vor ihren Kollegen auf der anderen Seite des Atlantik zurückstecken wollen. Denn immer mehr Rapper landen in Deutschland vor Gericht. Erlebt der Gangsterrap, der in den 1990er-Jahren in den USA eine Welle der Gewalt auslöste, in Deutschland eine Renaissance?

Die Antwort ist nicht so einfach. Denn wer im Hip-Hop was auf sich hält, sucht die Konfrontation. Und wer mit Verbrechen und Gewalt auffällt, der gewinnt „Street Credibility“, was so viel heißt wie: „Respekt auf der Straße“. Von illegalem Graffiti über Raub, Drogenmissbrauch bis zu illegalem Waffenbesitz gehört in der Szene nicht selten eine lange Liste an Straftaten zum guten Ton. Das hat sich seit 25 Jahren nicht geändert.

Dass Gewalt aber auch strategisch eingesetzt werden kann, beweist der bekannte Berliner Rapper „Sido“: Er musste sich jüngst wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er war in eine Schlägerei verwickelt. Das Medieninteresse war groß. „Sido“ bleibt im Gespräch und sein Album „30-11-80“ verkauft sich prächtig.

Während andere Musiker durch die Radio- und TV-Stationen touren, um ihr Album zu promoten, greift „Sido“ zur Gewalt, und er ist sofort in aller Munde. Der Fall beweist: Das Spannungsverhältnis zwischen Verbrechen und Hip-Hop ist manchmal nur Verkaufsstrategie. Für „Sido“ zahlt sich das aus: Vorstrafen helfen seiner Karriere.

Kommentare zu " Meinung: Das Erfolgsrezept der Skandal-Rapper"

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  • Liebe Leserinnen und Leser, auf meinen Text über das Erfolgsrezept der Rapper habe ich zahlreiche Reaktionen bekommen. Es gab eine Handvoll, die den Text gut fanden, die allermeisten allerdings nicht. Was mir selbst daran nicht gefällt, ist, dass mein Kommentar als pauschal negativ für die Rapperszene aufgenommen wurde. Aus meiner Sicht habe ich sehr wohl auch die andere Seite beleuchtet: Mit „Xatar“ und „Haftbefehl“ habe ich zum Beispiel aufgezeigt, dass HipHop nicht nur Krawall ist. Wie dem auch sei: Kommunikation ist, was beim Empfänger ankommt. Und das hat zumindest bei jenen, die sich nun lauthals ärgern, offenbar nicht gut funktioniert. Ich wünsche mir von all diesen: Nehmt den Artikel als Meinungsbeitrag und steigt in die Diskussion ein. Mich – und sicher auch das Handelsblatt – würde eine Replik interessieren. Beste Grüße, Ihr/Euer Stefan Kreitewolf

  • Ein leider sehr schlechter und oberflächlicher Artikel zum Thema HipHop/ Rap in Deutschland ! Hier mal ein paar Textausschnitte,welche einfach zu oberflächlich gehalten sind und zum Teil missverständlich oder falsch sind:

    " Die Hosen hängen tief, die Mützen sitzen schräg und der Kopf nickt zum Beat: „Ich brech` dir dein Genick, Nigger“, „Lass’ es schmerzen“ oder „Kugel in deinem Kopf“. "

    Das mögen Texte aus den Neunzigern in Amerika gewesen sein, aber wie stehen sie mit der heutigen Rapbewegung in Deutschland in Bewegung ? Mir fallen spontan keine bekannten Rapper mit tiefen Hosen und schrägen Mützen ein, und auch die zitierten Zeilen ergeben keinen Sinn, da sind von keinem deutschsprachigen Künstler stammen.

    Von den erfolgreichsten Rappern in Deutschland, welche hier aufgelistet werden, sind drei straftätig schon einmal in Erscheinung getreten, also nur ein geringer Bruchteil.

    " „Haftbefehl“ ist der Held der deutschen Jugend. Daran ändert auch nicht, dass er sich vor dem deutschlandweit Aufsehen erregendem Mord an Tugce A. mit dem Täter fotografieren ließ. "

    Jeder Musik ließ sich wohl schon einmal mit einem Verbrecher fotographieren, bevor eben dieser eine Straftat begann, so auch Haftbefehl. In diesem Text wird der Eindruck erweckt,als ließe sich Haftbefehl nach dem Mord extra mit dem Täter fotographieren.

    Im Allgemeinen ein leider schlecht recherchierter und undifferenzierter Artikel, bei welche ich das Gefühl habe, dass er nur geschrieben wurde, um HipHop zu diskreditieren. Erfolgreiche Rapper, welche weniger gewaltsame Texte predigen, und dieses Jahr auch erfolgreich waren wie z.B. Marteria,Cro,Shindy,Olson,Kool Savas,257ers,... werden außer Acht gelassen, was natürlich kein Zufall ist. Rap ist zZ einfach ein Sprachrohr für die Jugend und so vielfältig, wie noch nie zuvor. Schauen sie sich doch einmal in den anderen Musikrichtungen um, das einzige Genre, in welchem momentan etwas passiert in Deutschland, ist Rap !

  • Sehr gut!

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