Merkel in den USA
Alles ist gut

All zuviel schief gehen konnte es für Angela Merkel in den USA nicht. Denn nach der Eiszeit seit dem Irak-Krieg haben sich die Türen für Deutschland jetzt wieder meilenweit geöffnet. Die Umarmung der Kanzlerin und der Deutschen insgesamt war dabei nicht nur bei George W. Bush spürbar. Das Weiße Haus ist schlichtweg froh darüber, einen vorzeigbaren Partner an seiner Seite zu haben. Angela Merkel erfüllt genau diese Voraussetzung. Sie hat beim persönlichen Auftritt Charisma, sie sagt nichts Falsches, macht aus Ihrer Nähe zu den USA keinen Hehl, aber vor allem – sie sitzt zu Hause politisch fest im Sattel. Kein anderer europäischer Regierungschef kann derzeit ein ähnliches Profil vorweisen.

Beinahe schon väterlich begleitete also George Bush seinen Gast aus Deutschland. Als wolle er persönlich dafür sorgen, dass ihm dieses Juwel nicht aus den Händen gleitet, führte Bush Angela Merkel auch durch heikle Passagen der Reise. Wie etwa den Auftritt zum 100-jährigen Bestehen des American Jewish Committee, als die Kanzlerin vor 2000 Teilnehmern neben Bush und Kofi Annan redete. Auch 61 Jahre nach Kriegsende bedarf ein deutscher Regierungschef großes Geschick, durch solches Wasser zu steuern. Nachdem Bush sie dort jedoch als Mensch eingeführt hatte, der aufgrund seiner Vergangenheit in der DDR die Freiheit zu schätzen wisse, war der positive Grundton gesetzt. Das Publikum war auf Freundlichkeit gestimmt. Und Frau Merkel sagte nichts, was diese Haltung hätte stören können.

In der Tat ist es gerade die Biographie der Kanzlerin, die den US-Präsidenten so fasziniert. Dass 16 Jahre nach dem Fall der Mauer eine Politikerin aus dem einst sozialistischen Osten an die Spitze der Regierung gewählt wurde, begeistert Bush. Es sind solche Lebensgeschichten, die den Unterbau für Bushs Visionen von der Machbarkeit der Dinge bilden: So wie es Merkel nach oben geschafft hat, lassen sich auch andere Unmöglichkeiten in die Realität umsetzen. Dieses Denken ist ur-amerikanisch und für Europäer gelegentlich verstörend pathetisch. Doch im Falle der Kanzlerin fallen Vision und Fakten zusammen.

Zwei Tage lang wurde Merkel getragen von dieser Welle der Sympathie. Dass sie in der Substanz meist nicht viel Neues zu bieten hatte, fiel dabei nicht weiter auf. Auch dieser zweite Besuch stand vor allem im Zeichen guter Atmosphäre. Und beim einzigen wirklichen harten Thema, der Iran-Frage, liegen Merkel und Bush weitgehend auf einer Linie. Zumindest noch. Noch gilt sowohl in Washington wie Berlin die Vorgabe: Keine Gewaltanwendung, alles läuft über den Uno-Sicherheitsrat. Dass sich dies ändern kann, wissen beide. Doch darüber wollten sie gar nicht wirklich reden, nicht einmal über Details möglicher Sanktionen. Das Juwel Merkel sollte nicht einmal einen Kratzer bekommen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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