Mit Prinzipien lässt sich die Krise nicht lösen

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Auch eine unbequeme Wahrheit bleibt eine Wahrheit

Zweitens: Merkel überschätzt die Machtposition der Politik gegenüber den Finanzmärkten. Die Staatsfinanzierung beruht auf Steuern, steht in unseren Lehrbüchern. Aber das stimmt nur noch zum Teil. Allein in diesem Jahr werden in der Euro-Zone neue Schulden in Höhe von 350 Milliarden Euro aufgenommen, zum größten Teil, um alte Schulden zu bedienen. Diese Schuldenumwälzanlage ist ein einziges Ärgernis, weil sie den Wohlstand auffrisst, weil sie immer größer wird, weil die politische Macht sich in Richtung der Finanzmärkte verflüchtigt. Und dennoch kann man die Schuldenumwälzanlage nicht einfach abschalten. „Die Kreditgeber sind im Fahrersitz“, sagte George Soros gestern in Davos. Auch eine unbequeme Wahrheit bleibt eine Wahrheit.

Drittens: Die deutsche Politik ist fixiert auf den Staat. Aber die Probleme Griechenlands (und vieler anderer Schuldenstaaten, auch der USA) wurzeln im Privatsektor. Griechenland hat dem Rest der Welt außer Sonne, Strand und Retsina nicht viel zu bieten. Das Leistungsbilanzdefizit treibt die Staatsverschuldung. Eine Volkswirtschaft, die täglich für 75 Millionen Euro mehr Waren importiert als exportiert, kann auf Dauer nicht funktionieren. Auf eine solche Volkswirtschaft lassen sich die deutschen Maßstäbe nicht übertragen. Unser Erfolg beruht seit Jahrzehnten auf industrieller Substanz und auf Exportüberschüssen. Wenn bei dieser Ausgangslage der Staat maßhält, ist Deutschland ein glückliches Land. In Griechenland aber wirkt diese Medizin nicht. Der Patient ist herzkrank, nicht übergewichtig. Er braucht Infusionen, Blutkonserven und auf absehbare Zeit die große Herzrhythmusmaschine.

Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts. Quelle:
Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts. Quelle: 

Viertens: Merkel nutzt von den zwei Prinzipien der Politik – „sticks and carrots“ – immer nur die „sticks“. Sie will bestrafen, bremsen, quotieren, regulieren. Aber wie wäre es zur Abwechslung mit Stimulieren? Griechen, Portugiesen und die anderen Sündernationen des südlichen Europa müssen wissen, dass sich die Anstrengung lohnt, dass am Ende nicht Massenarbeitslosigkeit und soziales Elend stehen, sondern Aufschwung und Wohlstand.

Die Schlussfolgerungen aus den genannten Punkten sind bitter, insbesondere für uns Deutsche: Die Banken, die unverantwortlich gehandelt haben, werden nicht bestraft. Die Griechen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, werden nicht in die Knie gezwungen. Die braven Steuerzahler, die für diese Krise nicht verantwortlich sind, werden belastet. Das sind Zumutungen, aber es sind notwendige Zumutungen, wenn das Wort „Krise“ von den Frontseiten unserer Zeitungen verschwinden soll.

Wir Deutschen haben nun die Wahl zwischen Prinzip oder Politik. Wenn wir uns für das Prinzipielle entscheiden, wird man uns im Ausland zu Recht Überzeugungstäter nennen. Die Betonung wird dann allerdings auf Täter liegen.


148 Kommentare

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  • 02.02.2012, 18:33 UhrAnonymer Benutzer: Otto

    völliger Irrglaube, was da geschrieben wird, man muss erst recht auf den harten Sparweg pochen, ansonsten kommen wir nicht weiter, gerade Griechenland muss stark sparen u. ständig kontrolliert werden.

  • 02.02.2012, 18:33 UhrAnonymer Benutzer: Otto

    völliger Irrglaube, was da geschrieben wird, man muss erst recht auf den harten Sparweg pochen, ansonsten kommen wir nicht weiter, gerade Griechenland muss stark sparen u. ständig kontrolliert werden.

  • 27.01.2012, 12:59 UhrAnonymer Benutzer: atinak

    @ Scherzkeks: Ich glaube nicht an die prinzipielle Böswilligkeit der Medien oder des HB, den Journalisten fehlt lediglich der Einblick in die Realwirtschaft und in die Tücken und Umbrüche der Realität. Die meisten von ihnen haben zudem keinerlei Fachkompetenz, da sie nicht etwa Betriebswirtschaft (Volkswirtschaft wäre ja auch ein Anfang, obwohl auch die meistens praxisfern ist), sondern Sozial-, Geschichts- oder Geisteswissenschaften wie Germanistik studiert haben, und in diesen Bereichen herrscht Wirschaftsferne und Wirtschaftsfeindlichkeit. Wenn nun Ideologie und Praxis aufeinandertreffen und die Praktiker es nicht schaffen, den ideologisch geprägten Journalisten ihre Argumente so aufzubereiten, dass sie sich in leicht verständliche und leicht verdaubare Sätze fassen lassen, ohne Fachfremde zu überfordern, siegt in den Artikeln die Ideologie. Nicht alle dieser Journalisten sind gekauft, die meisten von ihnen haben (zumindest anfangs) durchaus einen aufklärerischen Anspruch. Aber sie begreifen einfach nicht, wovon Unternehmer und Manager reden und dass auf den ersten Blick positiv und logisch erscheinende Maßnahmen, die etwa von den PIIGS sehr geschickt aufbereitet und an die Medien verkauft werden, durch ihre vielfältige Vernetztheit mit anderen Bereichen, Folgewirkungen haben können, die genau das Gegenteil von dem darstellen, was (vorgeblich) erreicht werden soll. Kurz: Ja, es gibt da ein massives Kommunikationsproblem. Aber Probleme sind dazu da, sie zu lösen. Wenn jeder Ingeneur und Techniker seinen Kram gleich hinwerfen würde, weil ein Problem unlösbar scheint, hätten wir keine funktionierende Technologie. Also: Packen wir's an. Kontakt aufnehmen kann man ja mal und dann sehen, wie die reagieren. Mit Zeit ist das ebenso wie mit dem Geld: Auch bei Knappheit - ein bissele was geht immer. :)

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