Die Gesetze der Ökonomie lassen sich nicht mit auftrumpfender Rhetorik außer Kraft setzen. Erstens: Die den Griechen und demnächst wohl auch den Iren verordnete Sparpolitik kann das gewünschte Ziel - Schuldenabbau - nicht erreichen. 13 Prozent des Sozialprodukts sollen die Griechen bis 2014 einsparen. Das wäre, wenn es gelänge, die größte Sparleistung, die je ein Staat in Friedenszeiten vollbracht hätte. Übersetzt auf unsere deutschen Verhältnisse würde das bedeuten: Abschaffung des Kindergeldes, Auflösung der Bundeswehr, Zurückfahren des Bundeszuschusses für die Sozialversicherungen auf null bei gleichzeitiger Verdoppelung der Lohnsteuer. Gesamtvolumen: 325 Milliarden Euro. Wer die Schuldenstaaten zum Protektorat erklärt, wird Unfriede ernten. Die Schulden von Griechen und Iren sind groß, aber ihr Stolz ist größer.
Zweitens: Gerade durch eine solche Sparpolitik werden die Voraussetzungen für eine Gesundung der Länder, also für Wachstum und ein Wiedererstarken der Volkswirtschaften, nicht geschaffen, sondern zerstört. Die griechische Wirtschaft wächst bereits nicht mehr. Zusammen mit den anderen Schuldnerstaaten ergibt sich ein Bild, von dem der neue Unicredit-Chef gestern zu Recht sagte, dass es ihm Alpträume bereite. Die 72 Millionen Griechen, Iren, Spanier und Portugiesen schulden den europäischen Banken mittlerweile 1,5 Billionen Euro. Das entspricht dem Fünffachen des deutschen Bundeshaushalts. Selbst wenn die 30 Dax-Konzerne die Schuldentilgung übernehmen würden, wäre es nicht zu packen: Sie müssten dafür ein halbes Jahrhundert ihre gesamten Gewinne abliefern. Das bedeutet: Die In-Not-Geratenen können sparen, bis sie blau sind, den Mühlstein am Hals werden sie nicht los. Im Gegenteil: Ihre Volkswirtschaften werden schwächer, die Mühlsteine größer, am Ende fallen alle zusammen in die Grube. Niemand weiß besser als wir Deutschen, dass es zwei Arten gibt, mit Verlierern umzugehen. Es gibt die Variante Versailles, als man den Kriegsverlierer mit Reparationszahlungen ökonomisch klein hielt. Damit hatte unser Land nicht nur den Krieg, sondern auch noch seine Zukunft verloren. In der Fäulnis dieses Unterwerfungsfriedens wuchsen die politischen Sumpfblüten. Was folgte, war ein neuer Krieg.
Variante zwei ist jener friedvolle Frieden, der sich mit dem Namen von US-Außenminister Marshall verbindet. Auf seinen Vorschlag hin wurde im besiegten Deutschland ein Kreditprogramm gestartet, das dem Wiederaufbau des Landes diente. Marshall sagte damals: "Unsere Politik richtet sich nicht gegen ein Land, sondern gegen Hunger, Elend, Verzweiflung und Chaos. Ihr Ziel ist die Wiederbelebung der Weltwirtschaft." Das genau sollte das Ziel der deutschen Politik auch sein: Wiederbelebung. Der Süden Europas braucht keine Sozialtransfers, sondern Direktinvestitionen und ein neues Unternehmertum. Das lässt sich zwar nicht anordnen, aber es lässt sich stimulieren.
Vergleichen heißt nicht gleichsetzen: Merkels Politik mündet nicht im Krieg, aber sie führt zu Unsicherheit und Unfrieden. Angela Merkel ist stark gegen die Schwachen. Der Weg, den sie einschlägt, führt nicht nach Europa.
M.Steer
...ganz zu schweigen von dem Parteienglüngel und der Korruption.
M. Steer
Zitat: "Anstatt nach China könnte so mancher deutsche Konzern doch auch einen Zweigbetrieb in Griechenland aufbauen, das wäre ein beitrag zu Europa"
ich kann Dir sagen warum. Weil die griechischen Arbeiter ein ähnliches Gehalt wie die deutschen Arbeiter beanspruchen. Warum sie allerdings mehr verdienen wollen als ein bulgare oder ein Rumäne, worin ihre Mehr-Leistung besteht bleibt ein Rätsel. Die Unternehmen gehen in alle anderen Nachbarländer GRs, aber in GR können sie nicht Fuß fassen.
sehr geehrte Frau Steer,
ich kann ihnen nur voll und ganz zustimmen !
Was Herr Steingart da zusammenschreibt, läßt an seinem wirtschaftlichen Verstand zweifeln. Nach der Lektüre seiner bücher hätte ich von ihm mehr erwartet. Seine Vorschläge führen in den Geldsozialismus und die EU-Diktatur mit der Folge einer gigantischen Pleite für die Völker Europas.
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