Merkels Rede
Die Wand kommt näher

Deutschland im Glück: Die Union will „das Land nicht vor die Wand fahren lassen“, beteuerte CDU-Chefin Angela Merkel am Mittwoch in ihrer Rede. Historisch war sie gewiss nicht, wurde aber im Deutschen Historischen Museum gehalten.

Deutschland im Glück: Die Union will „das Land nicht vor die Wand fahren lassen“, beteuerte CDU-Chefin Angela Merkel am Mittwoch in ihrer Rede. Historisch war sie gewiss nicht, wurde aber im Deutschen Historischen Museum gehalten. Deutschland noch mal im Glück: „Es wäre wirklich ein Leichtes, das Land vor die Wand fahren zu lassen“, versicherte die Oppositionschefin betont kraftmeiernd.

Kein Schelm, wer da an Oskar Lafontaine denken muss. Der hat zwar nicht das Land, aber die Regierung Kohl mit der Blockade im Bundesrat auflaufen lassen. Da rügte die Union zwar pflichtbewusst die SPD, sie schade dem Land. Die Wähler hingegen fanden mehrheitlich: Kohl kann es nicht. Hinweg mit ihm! 1998 verlor er die Wahlen.

Über Gerhard Schröder zirkuliert nun genau derselbe Befund. Und natürlich hat die Union längst bei Lafontaine nachgeschlagen, wie man eine Regierung ausbremst: mit brutalstmöglicher Opposition im Bundesrat. Auch Angela Merkel würde am liebsten den Lafontaine geben – und Rot-Grün an die Wand sausen lassen. Alle in der Union wissen es.

Allein, sie kann es nicht. Anders als Lafontaine kann sie nicht auf ihre Fürsten im Bundesrat setzen. Die schwarzen Wahlkämpfer wollen ihren besten Stimmenbringer fürs Dauerwahljahr 2004 gar nicht verlieren: den Kanzler. Sie träumen alle den Edmund-Stoiber-Traum von bayerischen Verhältnissen. Und was wäre, wenn Schröder bei der Steuerreform zwei Bundesländer herauskaufen könnte, so wie beim letzten Mal? Dann wüssten es alle in Deutschland: Merkel kann nicht einmal den Crash der Regierung einfädeln. Und führen?

Edmund Stoiber will stürzen und führen. Unbedingt. Denn nur bei vorzeitigen Neuwahlen kann er selber Schröder noch beerben. Der geradlinigste Oppositionelle, Roland Koch, flüstert ihm zu: Mach den Lafontaine! Und er macht ihn längst, nur schaut keiner hin: Schröders Steuerreform will er beileibe nicht verhindern! Oh nein! Aber vorziehen will er sie nur, wenn sie mit höchstens 25 Prozent Neuschulden finanziert wird. Das funktioniert indes nur, wenn Schröder auch noch den letzten Rest sozialfürsorglicher Identität seiner SPD über Bord wirft. Dann aber kann er gleich hinterherspringen. Deutschland im Glück? Die Wand kommt immer näher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%