Merrill Lynch
Kommentar: Führungsfrage

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Nur drei Wochen nach einer massiven Gewinnwarnung schockiert das amerikanische Brokerhaus Merrill Lynch die Wall Street ein zweites Mal. Die Wertberichtigungen für Hypothekenanleihen und andere strukturierte Kreditprodukte sind fast über Nacht um 3,4 Mrd. Dollar gestiegen. Das ist nicht nur außerordentlich peinlich für ein Investmenthaus, dessen Job es sein sollte, seine Risiken zu kennen und zu managen. Entweder hat das Top-Management einen lausigen Job gemacht oder – was noch schlimmer wäre – die Öffentlichkeit hinters Licht geführt.

Merrill-Chef Stan O’Neal kann die Schuld nicht wie bisher auf andere abwälzen. Hier geht es um seine Strategie und seine Führungsqualitäten. O’Neal war es, der Merrill erst eine harte Rosskur verordnete, um die Kosten nach unten zu bringen. Er war es auch, der das Brokerhaus danach in die riskantesten Ecken der Kreditmärkte führte. Dass Merrill auf dem Höhepunkt des Booms einen Hypothekenfinanzierer kaufte, der die Bank mit in den Sog der Subprime-Krise zog, geht ebenfalls auf das Konto des Konzernchefs.

Bislang haben die Top-Manager der großen Wall-Street-Häuser aus der Finanzkrise keine persönlichen Konsequenzen gezogen. Selbst Citigroup-Chef Charles Prince klebt immer noch an seinem Stuhl, obwohl auch dort das Risiko-Management versagt hat. Wenn O’Neal jetzt nicht einen Ausweg aus der Krise und eine neue Wachstumsstrategie vorlegen kann, sollte er den Anfang machen und seinen Hut nehmen.

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