Merrill Lynch
Preis des Risikos

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Die Namen sind austauschbar – das Phänomen ist dasselbe. Vor Merrill Lynch haben sich bereits Morgan Stanley, Citigroup und UBS von ausländischen Staatsfonds mit Milliarden unter die Arme greifen lassen. Es ist die logische Konsequenz eines in vielen Fällen verantwortungslosen Umgangs mit Risiken.

Die Kreditkrise hat die westliche Bankenwelt bis auf das Mark erschüttert. Stück für Stück tritt das Ausmaß an den Tag. Dass Merrill Lynch trotz Kapitalspritze nun sogar noch Geschäftsbereiche verkaufen muss, um sich frisches Geld zu besorgen, spricht Bände. Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei. Zu viele riskante Engagements liegen weiter in außerbilanziellen Vehikeln oder sind in den Bilanzen kaschiert. Man wird die Verluste realisieren müssen.

Schon Anfang 2008 dürfte die Branche deshalb weitere Milliarden abschreiben. Stets werden Staatsfonds mit Kapital bereitstehen – und im Gegenzug Anteile an den Unternehmen einfordern. Binnen weniger Jahre hat sich eine neue Liga von Kapitalgebern etabliert, die alles Dagewesene in den Schatten stellt. In Summe verfügen die Staatsfonds heute über mehr als 2500 Milliarden Dollar.

Was in der Finanzbranche vonstatten geht, ist Ausdruck einer Verschiebung der wirtschaftlichen Machtverhältnisse. Die Staaten Asiens und des Nahen Ostens sind erstarkt. Man mag dies aus nationaler Sicht bedauern – Protektionismus oder Abschottung ist dennoch keine Lösung. Es wäre zum einen verlogen, denn jahrelang hat der Westen ebenjene Länder zur Offenheit ermahnt. Vor allem aber wäre es Träumerei, denn offenbar mag derzeit niemand sonst das Chaos der einst so stolzen Banker in New York, London und Zürich aufräumen. Will man tatsächlich den Einstieg von Staatsfonds vermeiden, bleibt den Managern nur eine Option: solides Wirtschaften.

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