Metalltarifrunde
Angebot mit Charme

Eine Drei vor dem Komma ist eine deutliche Zahl. Die Metallarbeitgeber unterstreichen mit ihrem ersten Lösungsvorschlag, dass sie großes Interesse an einem raschen Ende der Tarifrunde 2007 haben. Die Gewerkschaft hat es nun in der Hand, ob es in der Metall- und Elektroindustrie innerhalb der Friedenspflicht zu einer Lösung kommt.Das Signal der Arbeitgeber ist klar: Die Geschäfte florieren, mit einem Arbeitskampf könnte die IG Metall die auf Hochtouren laufende Branche empfindlich treffen. Um des lieben Friedens willen gehen die Arbeitgeber lieber gleich bis an die Grenzen. Dabei nehmen sie es billigend in Kauf, große Teile der Branche einer gehörigen Belastungsprobe auszusetzen. Zudem verzichten die Arbeitgeber auf die in den vergangenen Jahren üblich gewordenen Haken und Ösen. Ihr Angebot hat den Charme der Klarheit. Fußangeln und Kleingedrucktes, lange Laufzeiten und vage Zusagen sind nicht erkennbar.

Die Arbeitgeber schaffen klare Verhältnisse und bewegen sich weg von überkommenen Ritualen. Nun ist die IG Metall am Zuge. Lässt sie sich hinreißen, bis an die Grenzen zu gehen? Die Verlockung dürfte bei einigen Funktionären groß sein. Zwischen dem Angebot der Arbeitgeber und der 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft liegen schließlich Welten. Schon kurz nach dem Bekanntwerden hat die IG Metall dem Arbeitgebervorschlag das Prädikat „unzureichend“ verliehen. Hoffentlich ist das nur ein unkontrollierter Reflex.Es wäre schade, wenn die Tarifpartner sich in ihren Schützengräben verschanzen würden. Denn es geht in dieser Tarifrunde nicht nur ums Geld. Es geht um eine neue, pragmatischere Herangehensweise. Ja, es geht um die Frage, ob der Flächentarif noch lange Bestand haben kann. Die IG Metall sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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