Metro
Das böse Z-Wort

Unglaublich viel Unsinn sei spekuliert worden in den letzten Monaten, tadelte Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes am Montag die Presse. Dabei stellt Cordes nicht weniger als drei der vier Konzernsäulen zur Disposition.
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Seitdem Haniel im August faktisch die Kontrolle über Deutschlands größten Handelskonzern übernommen und den eigenen Firmenchef an die Spitze des Dax-Konzerns bugsiert hat, sei sogar von einer „Zerschlagung“ die Rede, empörte er sich. Das jedoch, belehrte Cordes seine Zuhörer am Morgen in der Düsseldorfer Konzernzentrale, werde selbst dann nicht geschehen, wenn es zum „worst case“ käme.

Überzeugt hat Cordes damit bei seinem ersten offiziellen Medienauftritt als Metro-Chef nicht. Das böse Z-Wort, so blieb der Eindruck, ist für den neuen Spitzenmann in Düsseldorf nur eine Frage der Semantik. Denn der mittelfristige Fahrplan, den Cordes gestern präsentierte, lässt kaum Zweifel daran: Faktisch hat der ehemalige Mercedes-Lenker für die Metro längst Weichen gestellt, die – im schlechtesten Fall wohlgemerkt – ohne Umwege exakt auf die Zerschlagung hinauslaufen.

Nicht weniger als drei der vier Konzernsäulen nämlich stellt Cordes, wie er gestern erstmals offiziell bestätigte, zur Disposition. Den Kaufhof will er loswerden, weil er „deutlich weniger internationalisiert“ sei als das übrige Geschäft, dem Konzern nicht mehr als Wachstumstreiber diene und nur begrenzte Synergien mit anderen Geschäftsbereichen besitze. Zudem stehe die Warenhauskette für ein vergleichsweise geringes Geschäft.

Dass dabei der Wettbewerber Karstadt das Rennen macht, ist keineswegs sicher. Den Wert des Kaufhofs taxieren Investmenthäuser wie die BHF-Bank inzwischen auf drei Milliarden Euro, davon 1,7 Milliarden Euro allein für die Immobilien – eine Summe, die gegenwärtig von der angeschlagenen Karstadt-Mutter Arcandor kaum zu stemmen wäre. Und eine bloße Kooperation mit Wettbewerbern wie Karstadt schließt Cordes nach eigenen Worten kategorisch aus.

Nicht nur Kaufhof muss um den Verbleib im Konzern fürchten. Auch die SB-Warenhauskette Real steht unter Beobachtung. Ihr stellt der Metro-Vorstand – anders als zuvor unter Cordes-Vorgänger Hans-Joachim Körber – nun ein Ultimatum. Falls es in den kommenden zwei Jahren nicht zur Ertragswende komme, stehe die Tochter zum Verkauf.

Darüber hinaus macht Cordes seine 75-Prozent-Beteiligung Media-Saturn fit für die Börse. Man wolle gegebenenfalls über einen Börsengang Geld für weitere Akquisitionen einsammeln, begründet der Haniel-Abgesandte die Überlegung. Die Metro AG bleibe aber auf jeden Fall parallel dazu als Holding weiterhin an der Börse gelistet.

Eckhard Cordes wäre ein schlechter Manager, wenn er dieses Versprechen einhielte. Denn für die Verwaltung der Konzernsparte Metro Cash & Carry und eines Media-Saturn-Aktienpakets wäre eine Holding purer Luxus – eine börsennotierte erst recht. Ohne ihre Kosten wäre der Konzern in Einzelteilen 4,7 Milliarden Euro mehr wert, errechnete jüngst die BHF-Bank.

Belässt es Cordes beim Status quo, stellt sich die Frage, weshalb Haniel überhaupt für drei Milliarden Euro seinen Anteil am Düsseldorfer Dax-Konzern aufgestockt hat. Die mittelfristigen Wachstumsziele, die der neue Vorstandschef gestern präsentierte, hinken sogar den im vergangenen Geschäftsjahr erzielten Werten seines Vorgängers Körber hinterher. Schlimmer noch: Nach aktuellem Börsenkurs hat das zusätzlich erworbene Metro-Paket dem Duisburger Familienclan seit August auf dem Papier einen Verlust von 400 Millionen Euro beschert.

Der hohe Einsatz könnte sich eines Tages dennoch für Haniel auszahlen. Dann nämlich, wenn es den Duisburgern gelingt, die mit Abstand lukrativste Metro-Tochter, die 600 Cash & Carry-Märkte, in die eigene Holding zu integrieren. Der Weg dorthin ist aber steinig. Denn Hauptaktionär Haniel, der gemeinsam mit dem Partner Schmidt-Ruthenbeck gerade einmal über 50,1 Prozent der Aktien verfügt, müsste dazu die außenstehenden Anteilseigner abfinden. Ob ihm dies – etwa mit Aktienrückkaufprogrammen – gelingt, ist fraglich. Spätestens am Widerstand Otto Beisheims dürften Haniel und Schmidt-Ruthenbeck am Ende scheitern. Der ausgebootete Metro-Gründer hält immer noch 18,6 Prozent des Aktienkapitals.

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