Metro
Kommentar: Körbers Abschiedsgeschenk

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Gleich in doppelter Hinsicht verabschiedet sich der langjährige Vorstandschef Hans-Joachim Körber bei der Metro erhobenen Hauptes. Schon nach der Machtübernahme durch die beiden Großaktionäre Haniel und Schmidt-Ruthenbeck beim Düsseldorfer Handelsriesen hatte sich der 61-Jährige auf keine lange Diskussion eingelassen. Mitte September, zwei Wochen nach Veröffentlichung der neuen Besitzverhältnisse im Konzern, stellte er sein Amt souverän zur Verfügung. Einen kräftezehrenden Machtkampf mit seinem Aufsichtsratschef Eckhard Cordes, von dem Körber eine deutliche Richtungskorrektur erwartete, wollte sich der selbstbewusste Konzernlenker ersparen.

Für das Zahlenwerk, das der scheidende Vorstandschef seinem Nachfolger Cordes hinterlässt, braucht sich Körber nicht zu rechtfertigen. Im Gegenteil: Der hochgewachsene Handelsexperte hinterließ dem Dax-Konzern heute sogar ein Abschiedsgeschenk. Mit über neun Prozent wird Metro nach den Prognosen des Vorstands nun im laufenden Jahr noch schneller wachsen als bislang angekündigt. Die gute Geschäftsentwicklung der zurückliegenden neun Monate gebe Grund zur Hoffnung, sagte Finanzchef Thomas Unger vor der Presse - während Körber selbst durch Abwesenheit glänzte.

Tatsächlich kann sich die Bilanz sehen lassen. Sowohl Umsatz wie Ertrag legten im dritten Quartal schneller zu als von Analysten erwartet. Selbst in Deutschland, wo sich nach der Mehrwertsteuererhöhung die Portemonnaies der Kunden wieder geschlossen haben, schaffte Metro – Akquisitionen herausgerechnet - ein Wachstumsplus von 0,5 Prozent. Die Warenhaustochter Kaufhof, die üblicherweise erst im Weihnachtsquartal schwarze Zahlen schreibt, erreichte diesmal schon im dritten Quartal ein positives Betriebsergebnis. Die Integration von Wal-Mart bezeichnet der Finanzchef bereits jetzt als vollständig abgeschlossen, womit Körber die ambitionierten Zielvorgangen errreicht hat.

Die üblichen Schönrechnereien eines scheidenden Konzernchefs? Wohl kaum. Denn der einzige Sonderfaktor im Quartalsbericht der Metro ist ein negativer. Ausgerechnet der Finanzminister verhinderte mit seiner Unternehmensteuerreform und den damit verbundenen Sonderabschreibungen für die Metro, dass Körber einen noch glänzenderen Abschied feiern kann.

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