Meyer-Rücktritt
Kommentar: Das nützt Merkel nicht

Am Schluss gab Laurenz Meyer nochmals den getreuen Soldaten der Partei: Er habe die Entscheidung für seinen Rücktritt unter nüchterner Abwägung der Fragen getroffen: „Was nützt der Partei?“ und „Was nützt Frau Merkel?“

Das ist unfreiwilliger Zynismus. Denn der Partei hat der Soldat zwar genutzt, der Heermeisterin allerdings an vorderster Front die Linie zerschossen. Wer mag jetzt noch an die Führungskraft einer Parteichefin glauben, die die politische Notwendigkeit des Rückzugs ihres engsten Vertrauten nicht erkannt hat?

Merkel wusste alle Argumente für und wider einen Rücktritt. Die Fakten waren bekannt und erdrückend. Dennoch hat sie nicht gehandelt, sondern sich zu Wochenbeginn noch vor Meyer gestellt. Das hat niemand verstanden, vor allem nicht in Nordrhein-Westfalen. Dort muss die Landtagswahl im Mai bestritten werden, die wichtigste vor der Bundestagswahl 2006.

Angela Merkel hat keine Rücksicht auf diesen Wahlkampf an Rhein und Ruhr genommen, der mit einem weiter amtierenden CDU-General Meyer mit Sicherheit nahezu aussichtslos gewesen wäre. Doch hat sie den Apparat der mächtigen NRW-Riege in der CDU unterschätzt, dessen Aufbäumen offenbar zur Aufgabe Meyers führte.

Diese Fehleinschätzungen zu Meyers Unhaltbarkeit und zum Widerstand in den eigenen Reihen beschädigen nun die Parteivorsitzende der CDU. Und das kurz nach dem Düsseldorfer Parteitag, der eigentlich die Geschlossenheit der Union für den Endspurt zur Bundestagswahl vor aller Augen sichtbar machen sollte. Die CDU ist mit einer geschwächten Vorsitzenden dabei, sich um ihre Wahlchancen für 2005 und vor allem für 2006 zu bringen.

Schon eine Niederlage bei der NRW-Wahl könnte die Kanzlerkandidatenfrage, die bisher so eindeutig auf die Parteivorsitzende zugelaufen ist, noch einmal neu stellen.

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