Microsoft
Die gereifte Geldmaschine

HB DÜSSELDORF. Microsoft, der größte Softwarekonzern der Welt, will in den nächsten vier Jahren rund 75 Mrd. Dollar in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an seine Aktionäre ausschütten. Wenn die Aktionäre zustimmen, werden sie im Dezember insgesamt über 30 Mrd. Dollar erhalten. Firmengründer Bill Gates wünscht fröhliche Weihnachten in einer Größenordnung, die sich normalerweise nur Regierungen leisten können.

Dass Microsoft nach der Beilegung schwer wiegender Klagen die Tür zur Schatzkammer aufreißt, kommt nicht völlig unerwartet. Der Aktienkurs dümpelt seit Jahren vor sich hin, während andere High-Tech-Firmen sich von dem großen Kursrutsch vor vier Jahren erholten. Gleichzeitig stopfte Microsoft pro Quartal eine weitere Milliarde in den Hort, der mittlerweile fast 60 Mrd. Dollar erreicht. Die Aktionäre wurden ratlos, und die Beschäftigten, von denen viele hofften, mit Optionen reich zu werden, sitzen seit dem vergangenen Jahr auf Belegschaftsaktien, deren Kurs sich kaum bewegt.

Die in ihrer Größenordnung beispiellose Dividendenaktion von Microsoft ist indessen nicht nur Zucker für unzufriedene Aktionäre. Es ist auch ein Eingeständnis, dass das Kerngeschäft mit Software für Personalcomputer mehr Geld generiert, als das Unternehmen sinnvoll in das eigene Wachstum reinvestieren kann. Der Segen des Monopols ist gleichzeitig sein Fluch: Großakquisitionen in der eigenen Branche sind nahezu ausgeschlossen, weil die Kartellwächter in aller Welt nach Jahren der Klagen das Unternehmen scharf beobachten. Schon deshalb verliefen Gespräche mit der deutschen SAP AG letztlich im Sande.

Kurzum, Microsoft ist von einem High-Tech-Startup mit traumhafter jährlicher Expansion zu einem Standardwert mit beherrschender Marktstellung und nahezu unbegrenzten finanziellen Ressourcen, aber mehr konventionellen Wachstumsraten gereift. Das Unternehmen beflügelt bei Investoren keine Wachstumsphantasien und bei seinen Beschäftigten keine Träume vom schnellen Reichtum mehr. Ein solches Unternehmen zieht eine andere Klasse von Aktionären an, die Sicherheit und regelmäßige Ausschüttungen erwarten. Die weitere Verdoppelung der Jahresdividende auf 32 Cent pro Aktie ist nur logisch.

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