Microsoft
Kommentar: Schlachten von gestern

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat sich den Softwareriesen Microsoft ordentlich vorgeknöpft: Rekordstrafe plus drohende Produktregulierung. Das dürfte manchen freuen, der im Softwareimperium von Bill Gates seit jeher das Reich des Bösen sieht und die zuweilen selbstherrliche Art der Amerikaner nicht erträgt.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat sich den Softwareriesen Microsoft ordentlich vorgeknöpft: Rekordstrafe plus drohende Produktregulierung. Das dürfte manchen freuen, der im Softwareimperium von Bill Gates seit jeher das Reich des Bösen sieht und die zuweilen selbstherrliche Art der Amerikaner nicht erträgt. Auf den Markt werden Montis Maßnahmen allerdings keine positive Wirkung haben.

Das liegt nicht nur an den jahrelangen Auseinandersetzungen vor Gerichten, die nun folgen werden. Es ist der technologische Fortschritt, der eine Regulierung der IT-Industrie à la Monti obsolet machen wird. Das Fundament von Microsofts Marktführerschaft ist der PC. Doch durch die massenhafte Ausbreitung von Breitbandinternet wird Software künftig auf Hunderten verschiedener Endgeräte wie Handys, Fernseher, PCs oder Spielekonsolen genutzt werden. Der Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft auf diesen Plattformen hat erst begonnen. Es ist keineswegs ausgemacht, dass Microsoft dort eine annähernd so wichtige Rolle spielen wird wie bei PCs in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

IBM hat damals den neu entstehenden PC-Markt Microsoft überlassen. Noch einmal wird IBM das nicht passieren, wie die Schützenhilfe für das freie Betriebssystem Linux zeigt. Und auch im Bereich der Handy-Software ist Microsoft alles andere als die Nummer eins.

Nach der Entscheidung in Brüssel dürfte allerdings die Verunsicherung in der Softwarebranche zunehmen. Denn die Kommission will auf die Produktentwicklung von Microsoft Einfluss nehmen. Sie will mitentscheiden, welche Programme künftig wie eng miteinander verzahnt werden dürfen. Doch die immer stärkere Integration ist kein übler Trick von Microsoft, sondern Strategie der gesamten Softwareindustrie. Auch der deutsche Softwareriese SAP ist da keine Ausnahme. Sollte eine Kaskade von Beschwerden die Folge des Microsoft-Verfahrens sein, hätte Brüssel dem Wettbewerb in der IT-Industrie einen Bärendienst erwiesen. Mit etwas Geduld bringen die Kräfte des Marktes für die Kunden ein besseres Ergebnis, als eine Regulierung aus Brüssel es je können wird.

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