Microsoft-Yahoo
Die Macht des Duopols

Nach klassischen Maßstäben fällt das Urteil über die geplante Yahoo-Übernahme eindeutig aus: Sie müsste untersagt werden. Doch für Unternehmen im Internet gelten andere Marktgesetze.
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Microsoft will Yahoo für mehr als 40 Milliarden Dollar kaufen. Das Vorhaben sorgt für hitzige Debatten, auch mit Blick auf den Wettbewerb, ungeachtet dessen, ob der Deal nach der Ablehnung des Angebots durch Yahoo noch zustande kommt. Denn seine wahre Dimension, die Folgen für die Märkte hat noch keiner erfasst.

Das wundert nicht. Microsoft-Yahoo, diese Transaktion ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung, auch in kartellrechtlicher. Bislang wurden Megaübernahmen stets nach den gleichen Modellen bewertet. Man steckte den Markt ab und beurteilte die Macht, die das übernehmende oder fusionierte Unternehmen haben würde. Das funktionierte gut, solange eines unterstellt werden konnte: Die Märkte entwickeln sich weiter, unvorhersehbare Umbrüche wird es nicht geben.

Genau das gilt im Internet nicht. Plötzliche Verwerfungen sind hier fester Bestandteil des Geschäfts. Niemals zuvor war es einfacher, mit einer innovativen Idee einen Marktführer zu verdrängen, ja sogar einen eigenen und neuen Markt zu generieren. So paradox es klingen mag, gerade Google ist dafür ein eindrucksvoller Beleg. Noch bis vor kurzem galt der Softwareriese Microsoft als der Buhmann in der IT-Industrie schlechthin. Mittlerweile ist Google auf dem besten Weg, Microsoft als Beispiel für einen Monopolisten abzulösen.

Nach klassischen Maßstäben fällt das Urteil über die geplante Yahoo-Übernahme eindeutig aus: Sie müsste untersagt werden. Mit dem Kauf entstünde ein Duopol, das die Internetsuche, die Onlineunterhaltung sowie die Onlinewerbung dominiert. Doch wie real ist eine solche Bedrohung? Nehmen wir das vielzitierte Web 2.0 mit den von Nutzern erstellten Inhalten und Dienstleistungen. Die Konsumenten werden mächtiger, sie wandeln sich von Verbrauchern zu „Prosumenten“, Menschen, die die Produkte mitgestalten. In einer solchen Welt relativiert sich die Macht des Duopols. Nicht ein Wettbewerber wird zum Herausforderer, viele Millionen Nutzer sind die Rivalen.

Ein anderer Faktor ist die Frage nach den künftigen Geschäftsmodellen im Internet. Google und Microsoft zielen ausschließlich auf die Werbung. In der Tat ist Werbung bislang der einzig erkennbare Weg, das Netz und seine Nutzerschar zu kapitalisieren. Doch das könnte sich rasch ändern, im Netz entstehen ständig neue Geschäftsmodelle. Und da ist das Zusammenwachsen von Sprach- und Datendiensten sowie Inhalten. Der Trend ist nicht aufzuhalten, doch bis eine so verschmolzene Kommunikations- und Informationswelt Realität wird, sind noch jede Menge Technologieschübe notwendig.

Zweifel sind angebracht, dass Google und Microsoft diese Innovationskraft aufbringen können. Google war bislang lediglich beim Suchalgorithmus wirklich innovativ. Viel wahrscheinlicher ist es, dass eine Vielzahl von unerwarteten Marktteilnehmern für die relevanten Impulse sorgen wird. Nicht die etablierten Mobiltelefonhersteller haben uns gezeigt, was in der mobilen Internetwelt künftig möglich sein wird, sondern der Computerhersteller Apple, ein Branchenfremder.

Alles das müssen die Kartellwächter bei ihrer Entscheidung sorgfältig abwägen. Notwendig sind neue Marktmodelle, die mit Szenarien statt mit eindimensionaler Marktbetrachtung arbeiten. Microsoft-Yahoo könnte dafür eine erste Blaupause liefern.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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