Microsoft/Yahoo
Neuer Angriff auf Google

Für Yahoo ist die Kooperation mit Microsoft eine Demütigung, doch dem Internet bringt sie endlich Wettbewerb bei den Suchmaschinen zurück.
  • 0

Die Demütigung für Yahoo ist perfekt. Aber wir alle werden von der Niederlage profitieren. Denn die Kooperation mit dem Gegner Microsoft bringt zurück, was dem Internet-Suchmaschinenmarkt lange abhanden gekommen war: ein ernsthafter Wettbewerber für Google.

Allerdings war dafür ein absurder Umweg nötig. Für 47 Mrd. Dollar wollte sich das stolze Yahoo 2008 nicht von Microsoft übernehmen lassen. Jetzt, anderthalb Jahre später und mitten in der Internet-2.0-Krise, gibt der 1994 gegründete Web-Pionier seinen wichtigsten Geschäftszweig - die Internet-Suche - komplett an Microsoft ab. Das ist der zweite und wohl endgültige Abstieg aus dem Such-Olymp. Zuerst entthronte Google die frühere Nummer Eins Yahoo, nun holt sich Microsoft den Rest. Und es gibt nicht einmal Geld dafür: Hatte Yahoo-CEO Carol Bartz zunächst noch vollmundig von "Wagenladungen von Geld" gesprochen, die Microsoft ihr bieten müsste, ist sie nun mit einem ordentlichen Anteil an den Werbeeinnahmen zufrieden und damit, dass sie Kosten einsparen kann. Carol Bartz hat sich Zeit gekauft, um ein neues, hoffentlich erfolgreicheres Geschäftsmodell zu entwickeln.

Und sie hat den Weg frei gemacht für einen neuen Angriff auf Google, die scheinbar uneinnehmbare Festung der Internet-Suche. Microsoft hat sich für zehn Jahre die Lizenzen für sämtliche Yahoo-Suchtechnologie gesichert. Das kann Steve Ballmers bereits erfolgreiche Suchmaschine "Bing" nur besser machen. Ballmer hat zudem genug Geld, um sie auch aggressiv zu vermarkten. Und er wird es tun. Für Anzeigenkunden und Inhalteanbieter wie Verlage, Musik-, Film und TV-Anbieter ist die neue, große Plattform aus Microsoft und Yahoo jedenfalls ein Segen. Im Werbegeschäft zählt Größe und Effektivität. Das konnte bislang nur Google bieten. Jetzt gibt es zumindest einen, wenn auch nur halb so groß, auf den man ausweichen kann. Microsoft hat Geld und Yahoo kann Werbung verkaufen und attraktive Web-Dienste bauen. Alleine nutzte das nichts, zusammen können sie es schaffen.

Mit einem Schlag hat Microsofts Suchmaschine jetzt die zusätzliche Reichweite von fast 500 Millionen Surfern, die jeden Monat eine Yahoo-Seite besuchen. Yahoo-News und Unterhaltungsdienste gehören noch immer zu den attraktivsten Angeboten im Web. Daraus sind die Träume der Werbekunden gemacht. Google wird reagieren müssen. Und zwar auf dem Markt, nicht wie 2008 in Washington, als mit Macht und Cleverness gegen die Übernahme Yahoos intrigiert wurde. Denn heute ist Google der, der ganz oben auf der Liste der zu beobachtenden Giganten steht. Da muss man vorsichtig sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Microsoft/Yahoo: Neuer Angriff auf Google"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%