Microsoft - Yahoo: Wettbewerb durch Fusion

Microsoft - Yahoo
Wettbewerb durch Fusion

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Fusionen von Marktführern vernichten Wettbewerb. So einfach war die Welt noch vergangene Woche. Heute sieht das anders aus. Die Kartellbehörden könnten bald die Aufgabe haben zu entscheiden, ob der Zusammenschluss von Weltmarktführern sogar Wettbewerb schaffen kann. Nämlich dann, wenn der Internetriese Yahoo, größter Anbieter von E-Mail-Konten und Nummer zwei des Suchmaschinenmarkts, das Übernahmeangebot von Microsoft, Nummer eins bei PC-Betriebssystemen, annehmen sollte.

Das Dilemma: Ein noch stärkerer Microsoft-Konzern ist das Allerletzte, was die Kartellbehörden – allen voran die EU-Kommission – nach Jahren des Kampfs gegen das Gates-Imperium sehen wollen. Aber sie können auch nicht die Augen vor Google verschließen: einem Unternehmen, das im 40 Milliarden Dollar schweren Online-Werbemarkt auf der Überholspur rast; Microsofts Web-Geschäft dagegen bewegt sich auf der Kriechspur. Yahoo musste Platz machen und droht im Graben zu landen. Über 75 Prozent der Einnahmen für Online-Textanzeigen im Zusammenhang mit Suchergebnissen fließen in die Taschen von Google. Yahoos Umsatz ist kaum noch größer als Googles Gewinn.

Microsoft und Yahoo zusammen könnten gegenhalten – vielleicht. Also zustimmen und Wettbewerb sichern? Warum nicht. Web- und Softwaremärkte gehören bisher nicht zusammen. Die kritischen Punkte würden sich auf Bereiche wie die Marktbeherrschung bei E-Mail-Konten reduzieren. Das Problem ist nur: Die Zukunft sieht völlig anders aus. Wenn 90 Prozent der PC-Nutzer einmal direkt aus Windows Vista 2.0 heraus im Web suchen, bei Yahoo bloggen, Fotos aus dem Explorer in den Webdienst Flickr einstellen oder Yahoos Web-E-Mails in Outlook verwalten – dann schafft das Fakten. Da käme Google kaum gegen an. „Microhoo“ hätte PCs und das Web. Die Kartellwächter hätten den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Also doch ablehnen? Vielleicht, läge da nicht ein brisantes Papier auf den Schreibtischen. Google will den größten Technikdienstleister für Displaywerbung im Web (Werbebanner, Videoanzeigen und „Pop-ups“), Doubleclick, übernehmen. Damit bekäme Google auch hier schnell die Marktführerschaft. Die US-Behörden haben den Deal schon durchgewinkt. Sagt Brüssel auch Ja, könnte die EU Microsoft/Yahoo praktisch gar nicht mehr ablehnen. Lehnt die EU ab, könnte sie wiederum Microsoft/Yahoo kaum zulassen. Noch schlimmer: Stimmen sie jetzt bei Doubleclick zu und kommt die Fusion Microsoft/Yahoo gar nicht erst zustande, hat Google völlig freie Bahn. Was also tun?

Ein Blick in das Silicon Valley, Epizentrum des Internets, könnte als Entscheidungshilfe nützlich sein. Dort regiert der pure Darwinismus. Märkte und Namen entstehen und verschwinden über Nacht. Das Valley erfindet sich täglich neu. Das sollte aber heißen: Google hat das Recht zu expandieren. Und Yahoo hat das Recht auf eine Chance, sich aus dem Sumpf zu ziehen. Lasst die Märkte es zunächst einmal – unter wachsamer Aufsicht – selber regeln. Erst wenn die Sache aus dem Ruder läuft und sich zu viel Macht in einem Haus zusammenballt, muss man, wie zuletzt bei Microsoft, durchgreifen. Knüppelhart, aber fair.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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