Militärtransporter
Fatale Zwangsehe

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In der europäischen Luftfahrtpolitik gibt es ein unseliges Prinzip. Es lautet: Wer etwas bestellt, der darf auch daran mitbasteln. Der sogenannte Geo-Return soll nationale Industrieinteressen schützen. Meist führt dieses Prinzip aber zur Bildung von Konsortien, die selten das erfüllen, was sie versprechen. Das trudelnde Satellitennavigationssystem Galileo ist so ein Fall, in dem nationale Interessen wichtiger als der Erfolg des Projektes sind.

Das Triebwerkskonsortium der A400M ist ein anderer. Vier europäische Hersteller basteln seit Jahren an den mächtigen Motoren des Militärtransporters herum, nun ist der Zeitplan für die Erstauslieferung nicht mehr zu halten, weil die Triebwerke nicht rechtzeitig fertig werden. Der Flugzeughersteller Airbus, Tochter des EADS-Konzerns, macht offen die beteiligten Unternehmen für die Verspätung verantwortlich. Die weisen die Schuld zwar von sich, können aber ihre Probleme kaum verbergen.

Dabei war die Entwicklung absehbar. Denn die beteiligten Unternehmen, darunter die Münchener MTU, sind im Zivilgeschäft Erzkonkurrenten. Ohne den politischen Druck und die Aussicht auf ein Milliardenprojekt hätten sie sich niemals in die Zwangsehe begeben. Die Partner trauen sich nicht über den Weg, niemand übernimmt wirklich Verantwortung. Nun haben alle den Schaden. Airbus und die Triebwerkshersteller müssen Milliarden abschreiben.

Doch den größten Schaden hat die Politik, die keinen Wettbewerb wollte. Anders als das Kampfflugzeug Eurofighter wird der Lastesel A400M dringend gebraucht. Seit Jahren fliegt die Bundeswehr mit ihren museumsreifen „Transall“-Transportern auf dem Balkan und in Afghanistan, riskieren die Besatzungen ihr Leben. Denen dürfte es schwer zu erklären sein, warum die A400M das Reißbrett immer noch nicht verlassen hat.

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