Mindestlohn
Kommentar: Erbauliches von Glos

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Er macht uns immer wieder ratlos, der Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Jetzt hat er einen Brief an seine eigene Fraktion von CDU und CSU geschrieben, in dem er die Mitglieder vor den gefährlichen Folgen eines Mindestlohns für die Zeitarbeit warnt: Das sei nach der Post ein „weiterer Dammbruch“.

Die Abgeordneten müssen sich fragen, ob wirklich sie gemeint sind. Wollte Glos in Wirklichkeit an die Kanzlerin schreiben und hat sich nur nicht getraut? Oder steht der Wirtschaftsminister im Dialog mit sich selbst, schreibt sich eine ordnungspolitische Epistel für die Weihnachtszeit?

Schließlich hat doch die Regierung, also auch Glos, von den Abgeordneten verlangt, das Entsendegesetz zu erweitern, damit der Post-Mindestlohn und viele, viele weitere Branchen darin Unterschlupf finden.

Was also soll der Brief an die Volksvertreter, die nur im politischen Gehorsam vollziehen, was ihnen Kabinett und Fraktions- wie Parteiführungen vorgeben – soweit sie nicht selbst Anhänger des Mindestlohns sind, zumindest im Landtagswahlkampf?

Aber vielleicht wollte Glos nicht seine Parteifreunde, sondern die Kanzlerin warnen: vor dem „weiteren Dammbruch“. Für den Fall zwei Anmerkungen: Wenn ein Deich gebrochen ist, dann ist das Land bereits überflutet. Im Sumpf, der sich dort bildet, kann man auch keine „Brandmauern“ bauen, wie der Wirtschaftsminister es jetzt anregt. Die kippen schneller weg als der Widerstand der Kanzlerin gegen den Mindestlohn bei der Post, was uns zur zweiten Bemerkung führt: Wenn Glos eigentlich Angela Merkel ansprechen will, sollte er es einfach tun, er sieht sie wohl öfter als die einfachen Abgeordneten.

Vielleicht ist der Brief auch nur ein Fake: von enttäuschten Mitarbeitern der Pin AG, die glaubten, sie würden ihre Jobs behalten.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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