Mischkonzerne
Aussterbende Art

Unternehmen sollen sich darauf konzentrieren, was sie am besten können. In jeder Firma stecken Kernkompetenzen, die sich letztlich in Kernprodukten- oder -dienstleistungen materialisieren.

Das Konglomerat ist tot, es lebe der fokussierte Großkonzern! Das scheint heute auch den letzten Mohikanern in Deutschlands Eliteliga Dax klar zu sein. Denn sogar eingefleischte Mischkonzerne beginnen nun mit der viel beschworenen Konzentration auf das Kerngeschäft.

Beispiel Linde:Nach der Übernahme des britischen Industriegaseherstellers BOC hat Konzernchef Wolfgang Reizle die Sparte Gabelstapler zum Verkauf gestellt. Ziel ist, den bislang auf zwei Beinen stehenden Konzern auf ein einziges zu stellen. Beispiel MAN: Durch den Verkauf der Druckmaschinensparte MAN Roland konzentriert sich der schwedische Vorstandsvorsitzende Hakan Samuelsson auf Nutzfahrzeuge und Dieselmotoren. Weitere Verkäufe von Randbereichen dürften folgen.

Ist das alles sinnvoll? Oder sitzen die Herren Manager nur schon wieder einer Mode auf, die sich aus strategischer Sicht noch als falsch erweisen wird? Diese Gefahr dürfte begrenzt sein. Denn viel spricht dafür, dass die Fokussierung Werte schafft. Gründe gibt es zuhauf.

Erstens sollten sich Unternehmen nämlich darauf konzentrieren, was sie am besten können. In jeder Firma stecken Kernkompetenzen, die sich letztlich in Kernprodukten- oder -dienstleistungen materialisieren. So hat es lange gedauert, bis man bei Siemens akzeptiert hat, dass der Kontakt mit dem Endverbraucher nicht zu den Stärken des Unternehmens zählt. Die Folge: Viel zu lange wurde die verlustreiche Handysparte mitgeschleppt in dem irrigen Glauben, dass man als Elektronikkonzern in diesem Markt einfach dabei sein müsse.

Zweitens: Die Synergien zwischen unterschiedlichen Geschäftsbereichen werden oft überschätzt. Denken wir an die Ära der blinden Diversifikation, als beispielsweise Daimler-Benz unter Edzard Reuter in der Wahnvorstellung, einen „integrierten Technologiekonzern“ zu schaffen, quer Beet auf Einkaufstour ging, von AEG bis Fokker. Das Problem war nicht nur, dass sich die Zukäufe als schwarze Löcher entpuppten, sondern dass die Einzelteile des Konzerns nicht mehr zusammenpassten wie ein fehlerhaftes Puzzle. Der laut angekündigte Wissenstransfer zwischen den Sparten fand nicht statt. So es denn überhaupt Synergiepotenziale gegeben haben mag, sie wurden nicht gehoben.

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