Mitarbeiterbeteiligung
Gefährliche M-Wörter

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Erst der Mindestlohn, nun die Mitarbeiterbeteiligung: Offenbar ist die Berliner Reformküche derzeit auf M-Wörter programmiert – gerade so, als klinge der Buchstabe in Arbeitnehmer-Ohren besonders stark nach mehr Gerechtigkeit und Wohlstand. Im ersten Fall hebt der Staat niedrige Löhne an und verspricht, dass die Arbeitsplätze sicher bleiben. Im zweiten verschafft er Arbeitnehmern Teilhabe am Kapital ihrer Firma und verspricht Gewinnchancen ohne viel Risiko. Anders als der Mindestlohn kündet die Mitarbeiterbeteiligung indes, vorerst noch, von politischer Harmonie. Denn neben Union und SPD sieht darin auch der Bundespräsident ein Zukunftsthema.

Doch leider verliert selbst die schöne Idee vom Arbeitnehmer als Mitunternehmer viel Charme, wenn man sie konkret weiterdenkt. Der neue „Deutschland-Fonds“ der SPD gibt da einen starken Vorgeschmack: Der Fonds soll Anteile kleiner Firmen zusammenfassen, auf dass auch deren Mitarbeitern halsbrecherische Risiken erspart bleiben. Tatsächlich entsteht damit aber nicht viel mehr als ein staatliches Konkurrenzprodukt zu eingeführten Fondsangeboten der Banken. Eine schlichte Anhebung des steuerlichen Sparerfreibetrages wäre da erkennbar eine bessere Wahl. Doch den haben Union und SPD soeben erst gekürzt. Zudem steht jede Art geförderter Mitarbeiterbeteiligung in Konkurrenz zur angeblich so wichtigen Altersvorsorge. Wer Arbeitnehmer wirklich zu mehr Privatvorsorge anhalten will, sollte ihr Geld tunlichst nicht in andere Anlagen locken. Oder soll die neue geförderte Mitarbeiterbeteiligung etwa ein verkapptes Altersvorsorgeprodukt werden? Dann wäre das ganze große Projekt eher eine semantische Verrenkung. So oder so: Das erste M-Wort aus der Berliner Reformküche war schon mehr als genug.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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